Eisen und seine Gefügearten einfach erklärt
Eisen ist einer der wichtigsten Werkstoffe der Technik. Seine besonderen Eigenschaften entstehen nicht nur durch Legierungen wie Kohlenstoff, sondern vor allem durch unterschiedliche Gefügeformen. Begriffe wie Ferrit, Austenit, Martensit oder Perlit tauchen besonders in der Werkstoffkunde, im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung auf. Hinter diesen Namen verbergen sich klar unterscheidbare Strukturen mit jeweils eigenen Eigenschaften.
Ferrit – das weiche Grundgefüge
Ferrit ist eine Eisenphase mit kubisch-raumzentrierter Gitterstruktur. Sie enthält nur sehr wenig Kohlenstoff und kommt vor allem bei niedrigen Temperaturen vor.
Typische Eigenschaften von Ferrit:
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sehr weich
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gut verformbar
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magnetisch
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geringe Festigkeit
Ferrit bildet häufig die Grundlage vieler unlegierter Stähle und sorgt für gute Umformbarkeit.
Austenit – das Hochtemperaturgefüge
Austenit entsteht bei höheren Temperaturen und besitzt eine kubisch-flächenzentrierte Gitterstruktur. In diesem Gefüge kann Eisen deutlich mehr Kohlenstoff aufnehmen als im Ferrit.
Merkmale von Austenit:
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nicht magnetisch
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zäh und duktil
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hohe Löslichkeit für Kohlenstoff
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stabil nur bei höheren Temperaturen (außer bei austenitischen Stählen)
Edelstähle mit Nickel enthalten oft stabilisierten Austenit, der auch bei Raumtemperatur erhalten bleibt.
Martensit – hart und spröde
Martensit entsteht durch schnelles Abschrecken von Austenit. Dabei bleibt keine Zeit für eine geordnete Umwandlung – das Gefüge „friert“ gewissermaßen ein.
Eigenschaften von Martensit:
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extrem hart
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sehr hohe Festigkeit
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spröde
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stark verzerrtes Kristallgitter
Martensit ist entscheidend für die Härtung von Stahl, wird aber meist anschließend angelassen, um Sprödigkeit zu reduzieren.
Perlit – Mischung aus Ferrit und Zementit
Perlit ist kein eigenständiges Kristallgitter, sondern ein feines Schichtgefüge aus Ferrit und Zementit. Es entsteht bei langsamer Abkühlung von Austenit.
Typische Merkmale:
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mittlere Härte
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gute Festigkeit
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ausgewogenes Verhältnis zwischen Härte und Zähigkeit
Perlit ist sehr häufig in Baustählen anzutreffen.
Bainit – der Mittelweg
Bainit entsteht bei kontrollierter Abkühlung zwischen den Bedingungen für Perlit und Martensit. Seine Eigenschaften liegen ebenfalls zwischen diesen beiden Gefügen.
Bainit bietet:
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hohe Festigkeit
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bessere Zähigkeit als Martensit
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feines Gefüge
Überblick der wichtigsten Eisengefüge
| Gefüge | Strukturform | Härte | Magnetisch | Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|---|
| Ferrit | kubisch-raumzentriert | niedrig | ja | weich, gut formbar |
| Austenit | kubisch-flächenzentriert | niedrig–mittel | nein | zäh, duktil |
| Martensit | tetragonal verzerrt | sehr hoch | ja | hart, spröde |
| Perlit | Ferrit + Zementit (lamellar) | mittel | ja | ausgewogen |
| Bainit | feines Mischgefüge | mittel–hoch | ja | fest und zäh |
Warum diese Gefüge so wichtig sind
Die gezielte Einstellung des Gefüges entscheidet über:
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Härte und Verschleißfestigkeit
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Bruchverhalten
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Umformbarkeit
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Einsatzgebiet des Stahls
Durch Wärmebehandlung wie Härten, Anlassen oder Vergüten lassen sich diese Eigenschaften gezielt steuern.
Zusammenfassung
Ferrit, Austenit, Martensit und die weiteren Eisengefüge sind keine abstrakten Fachbegriffe, sondern die Grundlage moderner Stahltechnik. Erst das Zusammenspiel von Temperatur, Kohlenstoffgehalt und Abkühlgeschwindigkeit macht Eisen zu einem vielseitigen Werkstoff mit exakt einstellbaren Eigenschaften.