Redewendungen einfach erklärt und richtig verwendet
Redewendungen bereichern die deutsche Sprache, sorgen für lebendige Ausdrucksweise und transportieren oft mehr Bedeutung, als es ein nüchterner Satz je könnte. Viele dieser festen Wendungen stammen aus vergangenen Jahrhunderten – aus Handwerk, Adel, Handel oder Militär. Im Folgenden findest du verständliche Erklärungen bekannter Redewendungen samt Herkunft und Beispielen.
Der Groschen fällt
Bedeutung
Jemand versteht plötzlich etwas, oft nach längerem Überlegen.
Herkunft
Die Wendung stammt aus der Zeit der Münztelefone oder Warenautomaten. Erst wenn der Groschen richtig fiel, funktionierte das Gerät – sinnbildlich also der Moment des Verstehens.
Beispiel
„Jetzt weiß ich, warum die Aufgabe so gemeint war – endlich ist der Groschen gefallen.“
Den Faden verlieren
Bedeutung
Den Gedankengang unterbrechen oder vergessen, was man sagen wollte.
Herkunft
Die Redewendung geht vermutlich auf das Spinnen und Weben zurück. Wer beim Arbeiten den Faden verlor, musste neu ansetzen.
Beispiel
„Entschuldige, ich habe gerade den Faden verloren – wo war ich stehen geblieben?“
Sich keinen Zacken aus der Krone brechen
Bedeutung
Sich nicht zu schade sein, etwas zu tun oder nachzugeben.
Herkunft
Kronen von Adeligen hatten oft Zacken als Zeichen von Macht. Ein Zacken weniger würde die Würde schmälern – bildlich steht es für Stolz oder Überheblichkeit.
Beispiel
„Du würdest dir keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn du dich einfach entschuldigst.“
Einen Zahn zulegen
Bedeutung
Sich beeilen oder das Tempo erhöhen.
Herkunft
Die Wendung stammt vermutlich aus alten Öfen mit verstellbarem Rost. Mehr „Zähne“ bedeuteten stärkere Hitze – also schnelleres Garen.
Beispiel
„Wir müssen einen Zahn zulegen, sonst verpassen wir den Zug.“
Weitere bekannte Redewendungen mit Erklärung
| Redewendung | Bedeutung | Typischer Kontext |
|---|---|---|
| Ins kalte Wasser springen | Etwas ohne Vorbereitung beginnen | Neuer Job, neue Aufgabe |
| Tomaten auf den Augen haben | Offensichtliches nicht sehen | Alltagssituationen |
| Auf dem Holzweg sein | Sich irren | Diskussionen |
| Nägel mit Köpfen machen | Etwas konsequent umsetzen | Entscheidungen |
| Die Katze im Sack kaufen | Etwas ungeprüft erwerben | Kaufentscheidungen |
| Aus allen Wolken fallen | Sehr überrascht sein | Unerwartete Nachrichten |
| Jemandem die Daumen drücken | Glück wünschen | Prüfungen, Wettkämpfe |
| Das Kind beim Namen nennen | Klar und direkt sprechen | Konflikte |
Warum Redewendungen im Alltag so wirkungsvoll sind
Redewendungen machen Aussagen lebendiger und emotionaler. Statt nüchtern zu sagen „Ich habe es verstanden“, wirkt „Jetzt ist der Groschen gefallen“ deutlich anschaulicher. Gerade im schriftlichen Ausdruck – etwa in Artikeln, Gesprächen oder Präsentationen – sorgen solche Formulierungen für Nähe und Verständlichkeit.
Viele Redewendungen sind tief im Sprachgebrauch verankert und werden oft verwendet, ohne dass ihre ursprüngliche Herkunft bekannt ist. Wer ihre Bedeutung kennt, kann sie gezielt einsetzen und Missverständnisse vermeiden.
Fazit
Ob „den Faden verlieren“, „einen Zahn zulegen“ oder „sich keinen Zacken aus der Krone brechen“ – Redewendungen verleihen der deutschen Sprache Charakter und Ausdruckskraft. Wer ihre Bedeutung versteht, kann sie souverän im Alltag verwenden und sprachlich überzeugen.