Angebot und Nachfrage beschreiben das Zusammenspiel von Verkäufern und Käufern auf einem Markt. Das Angebot zeigt, welche Mengen Anbieter zu bestimmten Preisen verkaufen wollen und können. Die Nachfrage beschreibt, welche Mengen Käufer zu diesen Preisen erwerben wollen und können.
Im einfachen Marktmodell treffen beide Seiten bei einem Preis aufeinander, zu dem angebotene und nachgefragte Menge übereinstimmen. Dieser Preis heißt Gleichgewichtspreis.
Was ist das Angebot?
Das Angebot umfasst die Verkaufspläne der Anbieter für einen bestimmten Markt und Zeitraum. Unter sonst gleichen Bedingungen sind Anbieter häufig bereit, bei höheren Preisen größere Mengen bereitzustellen.
Ein höherer Preis kann zusätzliche Produktion wirtschaftlich machen. Das gilt jedoch nicht unbegrenzt: Verfügbare Maschinen, Arbeitskräfte und Vorprodukte können die kurzfristig mögliche Menge beschränken.
Neben dem Preis beeinflussen beispielsweise Produktionskosten, Technik, Kapazitäten und die Zahl der Anbieter das Angebot.
Was ist die Nachfrage?
Die Nachfrage beschreibt die Kaufpläne der Nachfrager. Ein Wunsch allein genügt dabei nicht. Es muss auch die Bereitschaft und Möglichkeit bestehen, das Gut zum jeweiligen Preis zu kaufen.
Unter sonst gleichen Bedingungen sinkt die nachgefragte Menge häufig, wenn der Preis steigt. Bei niedrigeren Preisen können mehr Käufer das Produkt bezahlen oder größere Mengen erwerben.
Weitere Einflussgrößen sind unter anderem Einkommen, Bedürfnisse, Erwartungen und die Preise anderer Güter.
Wie entsteht der Gleichgewichtspreis?
In einem Preis-Mengen-Diagramm wird der Preis üblicherweise auf der senkrechten Achse und die Menge auf der waagerechten Achse dargestellt.
Die Angebotskurve verläuft im einfachen Modell steigend, die Nachfragekurve fallend. Am Schnittpunkt stimmen die geplanten Mengen überein.
Marktgleichgewicht: angebotene Menge = nachgefragte Menge
Die zugehörige Menge heißt Gleichgewichtsmenge. Im Modell besteht bei diesem Preis weder ein Angebotsüberschuss noch ein Nachfrageüberschuss.
Beispiel für Angebot und Nachfrage
Ein fiktiver Markt betrachtet ein vergleichbares Produkt und die geplanten Mengen pro Woche. Die folgenden Werte dienen ausschließlich der Veranschaulichung:
| Preis je Stück | Angebotene Menge | Nachgefragte Menge |
|---|---|---|
| 5 Euro | 100 Stück | 300 Stück |
| 10 Euro | 200 Stück | 200 Stück |
| 15 Euro | 300 Stück | 100 Stück |
Bei 10 Euro stimmen Angebot und Nachfrage mit jeweils 200 Stück überein. Dieser Preis bildet in dem Beispiel das Marktgleichgewicht.
Nachfrageüberschuss bei einem niedrigen Preis
Bei 5 Euro möchten Käufer 300 Stück erwerben, während Anbieter nur 100 Stück bereitstellen wollen. Der Nachfrageüberschuss beträgt 200 Stück.
Unter den Bedingungen des Wettbewerbsmodells kann daraus Aufwärtsdruck auf den Preis entstehen. Ein höherer Preis kann zusätzliche Anbieter oder zusätzliche Produktionsmengen anziehen und gleichzeitig die nachgefragte Menge verringern.
Angebotsüberschuss bei einem hohen Preis
Bei 15 Euro sollen 300 Stück angeboten werden, während Käufer nur 100 Stück erwerben wollen. Der Angebotsüberschuss beträgt ebenfalls 200 Stück.
Anbieter haben dann möglicherweise Schwierigkeiten, ihre geplanten Mengen abzusetzen. Preissenkungen können die Nachfrage erhöhen und das Angebot verringern.
Die genannten Mengen sind Verkaufs- und Kaufpläne. Tatsächlich verkauft wird nicht automatisch die gesamte angebotene oder nachgefragte Menge.
Nachfrageänderung und Preisänderung unterscheiden
Wenn sich nur der Preis des betrachteten Produkts ändert, bewegt sich die nachgefragte Menge im Modell entlang der bestehenden Nachfragekurve.
Eine Verschiebung der Nachfragekurve entsteht dagegen durch andere Einflussgrößen. Wird ein Produkt beispielsweise beliebter, kann die Nachfrage bei unveränderten Preisen steigen.
Bei unverändertem Angebot und den üblichen Kurvenverläufen führt eine solche Nachfrageausweitung im Modell zu einem höheren Gleichgewichtspreis und einer größeren Gleichgewichtsmenge.
Ein höheres Einkommen erhöht allerdings nicht automatisch die Nachfrage nach jedem Gut. Bei manchen Gütern kann die Nachfrage sinken, wenn Haushalte auf andere Produkte ausweichen.
Was passiert bei einer Veränderung des Angebots?
Sinken beispielsweise die Produktionskosten, können Anbieter bei denselben Preisen größere Mengen bereitstellen. Die Angebotskurve verschiebt sich im üblichen Modell nach rechts.
Bei unveränderter Nachfrage führt dies tendenziell zu einem niedrigeren Gleichgewichtspreis und einer höheren Gleichgewichtsmenge.
Umgekehrt können höhere Energiepreise, Lieferprobleme oder Ernteausfälle das Angebot verringern. Bei unveränderter Nachfrage kann dann der Gleichgewichtspreis steigen, während die gehandelte Menge sinkt.
Verändern sich Angebot und Nachfrage gleichzeitig, lässt sich die Preisentwicklung nicht allein aus einer der beiden Veränderungen ableiten. Entscheidend sind Richtung und Stärke beider Effekte.
Wie schnell reagieren Angebot und Nachfrage?
Die Reaktionsstärke wird mit dem Begriff der Preiselastizität beschrieben. Sie zeigt, wie stark sich die angebotene oder nachgefragte Menge bei einer Preisänderung verändert.
Können Käufer leicht auf andere Produkte ausweichen, kann die Nachfrage stärker reagieren. Sind Alternativen kurzfristig kaum verfügbar, kann die Reaktion geringer ausfallen.
Auch Anbieter benötigen häufig Zeit, um ihre Produktion auszuweiten. Ein Betrieb kann zusätzliche Kapazitäten langfristig aufbauen, aber nicht unbedingt innerhalb weniger Tage bereitstellen.
Wo liegen die Grenzen des einfachen Marktmodells?
Das Grundmodell vereinfacht die Realität. Es ist besonders hilfreich, um Zusammenhänge zu erklären, bildet aber nicht jeden Markt vollständig ab.
Reale Märkte können unter anderem durch folgende Faktoren geprägt sein:
- Marktmacht einzelner Anbieter oder Nachfrager
- Unterschiedliche Qualität und Eigenschaften der Produkte
- Unvollständige Informationen
- Langfristige Verträge und verzögerte Preisanpassungen
- Staatliche Preisvorgaben oder andere Eingriffe
- Kosten und Nutzen, die nicht vollständig im Marktpreis enthalten sind
Ein Marktgleichgewicht bedeutet außerdem nicht automatisch, dass ein Ergebnis gerecht, umweltverträglich oder für alle Menschen bezahlbar ist. Es beschreibt zunächst die Übereinstimmung von Angebots- und Nachfrageplänen unter bestimmten Bedingungen.
0 Kommentare
Hast du eine Frage oder ein Praxisbeispiel? Teile es mit uns.