Die Finanzrechnung stellt die tatsächlichen Einzahlungen und Auszahlungen einer Abrechnungsperiode gegenüber. Sie zeigt, woher liquide Mittel gekommen sind, wofür sie verwendet wurden und wie sich der Zahlungsmittelbestand verändert hat.
Eine besondere Bedeutung hat die Finanzrechnung im doppischen Rechnungswesen von Gemeinden und anderen öffentlichen Verwaltungen. Zusammen mit der Ergebnisrechnung und der Bilanz bildet sie dort das sogenannte Drei-Komponenten-System.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Finanzrechnung erfasst tatsächliche Einzahlungen und Auszahlungen.
- Sie informiert über Liquidität und Zahlungsströme.
- Erträge und Aufwendungen gehören dagegen zur Ergebnisrechnung.
- Die Finanzrechnung wird meist in laufende Verwaltungstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit gegliedert.
- Sie ermöglicht den Vergleich zwischen geplantem und tatsächlich realisiertem Zahlungsstrom.
- Ein Überschuss bedeutet, dass die Einzahlungen höher als die Auszahlungen waren.
- Ein Fehlbetrag zeigt einen Rückgang der verfügbaren Finanzmittel an.
Was ist eine Finanzrechnung?
Eine Finanzrechnung ist eine zeitraumbezogene Rechnung, in der sämtliche relevanten Geldbewegungen erfasst werden. Sie beantwortet insbesondere folgende Fragen:
- Wie hoch waren die Einzahlungen während des Haushaltsjahres?
- Wofür wurden finanzielle Mittel ausgezahlt?
- Welche Zahlungsüberschüsse oder Fehlbeträge sind entstanden?
- Wie haben Investitionen die Liquidität verändert?
- Wurden neue Kredite aufgenommen oder bestehende Kredite getilgt?
- Wie hoch ist der Zahlungsmittelbestand am Ende der Periode?
Im Mittelpunkt steht nicht der wirtschaftliche Erfolg, sondern der tatsächliche Zu- und Abfluss von Zahlungsmitteln. Die Finanzrechnung macht daher sichtbar, ob eine Organisation ihre fälligen Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann und wie sich ihre Liquidität entwickelt.
Wo wird die Finanzrechnung eingesetzt?
Der Begriff wird besonders häufig im öffentlichen Rechnungswesen verwendet. Kommunen, Landkreise und andere öffentlich-rechtliche Einheiten nutzen die Finanzrechnung, wenn ihr Haushaltswesen nach doppischen Grundsätzen organisiert ist.
In der kommunalen Doppik erfüllt sie eine ähnliche Informationsfunktion wie die Kapitalflussrechnung bei Unternehmen. Die genaue Gliederung, Benennung und rechtliche Ausgestaltung kann sich allerdings je nach Bundesland und geltendem Haushaltsrecht unterscheiden.
Außerhalb des öffentlichen Rechnungswesens wird „Finanzrechnung“ teilweise auch allgemeiner verwendet. Gemeint sein können dann beispielsweise:
- eine private Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben,
- eine Liquiditätsrechnung eines Unternehmens,
- eine Investitions- oder Finanzierungsrechnung,
- die Berechnung von Zinsen, Raten oder Kapitalwerten,
- eine Prognose zukünftiger Zahlungsströme.
Für die fachliche Einordnung ist deshalb immer der Zusammenhang entscheidend.
Die drei Komponenten des öffentlichen Rechnungswesens
Im doppischen öffentlichen Rechnungswesen wird die finanzielle Lage aus drei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
| Komponente | Betrachtete Größen | Zentrale Aussage |
|---|---|---|
| Ergebnisrechnung | Erträge und Aufwendungen | Wie hat sich das Eigenkapital durch das Jahresergebnis verändert? |
| Finanzrechnung | Einzahlungen und Auszahlungen | Wie haben sich die liquiden Mittel verändert? |
| Bilanz | Vermögen und Schulden | Welche Vermögenswerte und Verpflichtungen bestehen am Stichtag? |
Keine dieser Rechnungen kann die beiden anderen vollständig ersetzen. Eine Kommune kann beispielsweise ein positives Jahresergebnis ausweisen und trotzdem vorübergehend Liquiditätsprobleme haben. Umgekehrt kann ein hoher Zahlungsmittelzufluss aus einer Kreditaufnahme die Liquidität verbessern, ohne einen Ertrag darzustellen.
Einzahlungen und Auszahlungen
Die Finanzrechnung arbeitet mit den Begriffen Einzahlung und Auszahlung.
Was ist eine Einzahlung?
Eine Einzahlung erhöht den Bestand an liquiden Mitteln. Dazu zählen insbesondere Zugänge auf Bankkonten und in der Kasse.
Typische Einzahlungen einer Kommune sind:
- eingehende Steuerzahlungen,
- Gebühren und Beiträge,
- Zuweisungen und Zuschüsse,
- Einzahlungen aus dem Verkauf von Vermögensgegenständen,
- Einzahlungen aus der Aufnahme von Krediten,
- Rückzahlungen gewährter Darlehen.
Was ist eine Auszahlung?
Eine Auszahlung vermindert den Bestand an liquiden Mitteln. Geld verlässt die Kasse oder ein Bankkonto.
Typische Auszahlungen sind:
- Gehälter und Personalnebenkosten,
- Zahlungen für Energie, Material und Dienstleistungen,
- Sozialleistungen und Zuschüsse,
- Auszahlungen für Baumaßnahmen und andere Investitionen,
- Zinszahlungen,
- Tilgungen bestehender Kredite.
Unterschied zwischen Einzahlung, Einnahme, Ertrag und Leistung
Im Rechnungswesen haben ähnlich klingende Begriffe unterschiedliche Bedeutungen. Ihre Verwechslung kann zu fehlerhaften Auswertungen führen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Einzahlung | Zunahme der liquiden Mittel |
| Einnahme | Zunahme des Geldvermögens |
| Ertrag | Wertmäßiger Zuwachs innerhalb einer Periode |
| Leistung | Betriebszweckbezogener Wertezuwachs |
Die Größen können gleichzeitig auftreten, müssen es aber nicht.
Beispiel: Barzahlung einer Gebühr
Eine Verwaltungsgebühr wird sofort bezahlt. Die liquiden Mittel und das Geldvermögen steigen. Gleichzeitig entsteht ein Ertrag. Einzahlung, Einnahme und Ertrag fallen in diesem Fall zeitlich zusammen.
Beispiel: Leistung auf Rechnung
Eine Leistung wird erbracht, die Rechnung aber erst später bezahlt. Der Ertrag und die Forderung entstehen sofort. Eine Einzahlung erfolgt erst, wenn das Geld tatsächlich eingeht.
Beispiel: Kreditaufnahme
Ein Kredit führt zu einer Einzahlung, weil Geld auf dem Bankkonto eingeht. Es entsteht jedoch kein Ertrag, da gleichzeitig die Verbindlichkeiten steigen.
Unterschied zwischen Auszahlung, Ausgabe und Aufwand
Auch auf der Verwendungsseite müssen die Begriffe voneinander getrennt werden.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Auszahlung | Abnahme der liquiden Mittel |
| Ausgabe | Abnahme des Geldvermögens |
| Aufwand | Wertmäßiger Ressourcenverbrauch einer Periode |
| Kosten | Betriebszweckbezogener Werteverbrauch |
Beispiel: Kauf und sofortige Bezahlung von Büromaterial
Wird das Material sofort verbraucht und direkt bezahlt, können Auszahlung, Ausgabe und Aufwand gleichzeitig entstehen.
Beispiel: Kauf einer Maschine
Die sofortige Bezahlung einer Maschine ist eine Auszahlung. Der gesamte Kaufpreis ist aber nicht sofort Aufwand. Der Werteverzehr wird normalerweise über die Nutzungsdauer als Abschreibung erfasst.
Beispiel: Abschreibung
Eine Abschreibung ist Aufwand, verursacht im Zeitpunkt ihrer Buchung aber keine Auszahlung. Die Auszahlung erfolgte bereits beim Erwerb des Vermögensgegenstandes oder zu einem anderen Zahlungszeitpunkt.
Aufbau einer Finanzrechnung
Die genaue Gliederung richtet sich im öffentlichen Bereich nach den jeweils geltenden haushaltsrechtlichen Vorschriften. Häufig werden die Zahlungsströme in drei Hauptbereiche gegliedert:
- laufende Verwaltungstätigkeit,
- Investitionstätigkeit,
- Finanzierungstätigkeit.
Finanzmittel aus laufender Verwaltungstätigkeit
Dieser Bereich umfasst regelmäßig wiederkehrende Zahlungen, die mit der laufenden Aufgabenerfüllung verbunden sind.
Zu den Einzahlungen können gehören:
- Steuern und steuerähnliche Abgaben,
- Zuwendungen und Umlagen,
- öffentlich-rechtliche Leistungsentgelte,
- privatrechtliche Leistungsentgelte,
- Kostenerstattungen,
- Zinsen und sonstige Finanzeinzahlungen.
Typische Auszahlungen sind:
- Personalauszahlungen,
- Versorgungszahlungen,
- Auszahlungen für Sach- und Dienstleistungen,
- Transferauszahlungen,
- Zinsen und andere Finanzauszahlungen.
Die Differenz ergibt den Zahlungsmittelüberschuss oder Zahlungsmittelfehlbetrag aus der laufenden Verwaltungstätigkeit.
Finanzmittel aus Investitionstätigkeit
Die Investitionstätigkeit betrifft Zahlungen im Zusammenhang mit langfristig genutztem Vermögen.
Mögliche Einzahlungen sind:
- Zuweisungen für Investitionen,
- Beiträge für Investitionsmaßnahmen,
- Verkauf von Grundstücken, Gebäuden oder anderen Vermögensgegenständen,
- Rückflüsse aus gewährten Investitionsdarlehen.
Mögliche Auszahlungen sind:
- Erwerb von Grundstücken und Gebäuden,
- Baumaßnahmen,
- Kauf von Fahrzeugen, Maschinen oder technischer Ausstattung,
- Erwerb von Finanzanlagen,
- Gewährung von Investitionszuschüssen oder Darlehen.
Die Differenz wird als Saldo aus Investitionstätigkeit bezeichnet.
Finanzmittel aus Finanzierungstätigkeit
Dieser Bereich zeigt, wie Investitionen oder Liquiditätsbedarfe finanziert und bestehende Finanzschulden zurückgeführt wurden.
Typische Vorgänge sind:
- Einzahlungen aus der Aufnahme von Krediten,
- Auszahlungen für die Tilgung von Krediten,
- sonstige Zahlungen im Zusammenhang mit der Finanzierung.
Die Differenz ergibt den Saldo aus Finanzierungstätigkeit.
Vereinfachtes Schema der Finanzrechnung
| Position | Berechnung |
|---|---|
| Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit | Laufende Einzahlungen minus laufende Auszahlungen |
| Saldo aus Investitionstätigkeit | Investive Einzahlungen minus investive Auszahlungen |
| Finanzmittelüberschuss oder -fehlbetrag | Saldo der laufenden Tätigkeit plus Investitionssaldo |
| Saldo aus Finanzierungstätigkeit | Kreditaufnahmen minus Tilgungen und weitere Finanzierungsauszahlungen |
| Veränderung des Zahlungsmittelbestandes | Finanzmittelsaldo zuzüglich weiterer zahlungswirksamer Vorgänge |
| Zahlungsmittelbestand am Jahresende | Anfangsbestand plus Veränderung des Zahlungsmittelbestandes |
Je nach Haushaltsrecht können weitere Positionen hinzukommen. Dazu gehören beispielsweise haushaltsunwirksame Zahlungen oder besondere Bestände.
Beispiel einer Finanzrechnung
Eine Kommune weist für ein Haushaltsjahr folgende vereinfachte Zahlungsströme aus:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit | 12.000.000 Euro |
| Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit | 10.800.000 Euro |
| Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit | 1.200.000 Euro |
| Einzahlungen aus Investitionstätigkeit | 800.000 Euro |
| Auszahlungen aus Investitionstätigkeit | 2.500.000 Euro |
| Saldo aus Investitionstätigkeit | −1.700.000 Euro |
| Finanzmittelfehlbetrag | −500.000 Euro |
| Einzahlungen aus Kreditaufnahmen | 900.000 Euro |
| Auszahlungen für Tilgungen | 300.000 Euro |
| Saldo aus Finanzierungstätigkeit | 600.000 Euro |
| Veränderung der Finanzmittel | 100.000 Euro |
Die laufende Verwaltung erwirtschaftet einen positiven Zahlungsmittelsaldo von 1,2 Millionen Euro. Die Investitionen verursachen jedoch einen Mittelabfluss von 1,7 Millionen Euro. Dadurch entsteht zunächst ein Finanzmittelfehlbetrag von 500.000 Euro.
Durch die Kreditaufnahme fließen netto weitere 600.000 Euro zu. Insgesamt steigt der Zahlungsmittelbestand deshalb um 100.000 Euro.
Das Beispiel zeigt zugleich, warum eine positive Veränderung der Liquidität nicht automatisch eine wirtschaftliche Verbesserung bedeutet: Ein Teil des Geldzuflusses stammt aus neuen Schulden.
Finanzplan und Finanzrechnung: Was ist der Unterschied?
Der Finanzplan enthält die erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen. Die Finanzrechnung weist dagegen die tatsächlich realisierten Zahlungsströme aus.
| Finanzplan | Finanzrechnung |
|---|---|
| Vorausschauend | Rückblickend |
| Enthält geplante Zahlungen | Enthält tatsächlich erfolgte Zahlungen |
| Dient der Haushaltsplanung | Dient dem Jahresabschluss und der Kontrolle |
| Zeigt den erwarteten Liquiditätsbedarf | Zeigt die wirkliche Liquiditätsentwicklung |
Durch den Vergleich von Plan und Rechnung lassen sich Abweichungen erkennen. Höhere Baukosten, verspätete Zuschüsse oder unerwartet geringe Steuereinzahlungen werden dadurch sichtbar.
Finanzrechnung und Ergebnisrechnung
Die Ergebnisrechnung zeigt Erträge und Aufwendungen. Sie beantwortet die Frage, ob innerhalb der Periode ein Ressourcenüberschuss oder Ressourcenverbrauch entstanden ist.
Die Finanzrechnung betrachtet dagegen nur zahlungswirksame Vorgänge. Deshalb können sich beide Ergebnisse deutlich unterscheiden.
Vorgang mit Wirkung auf beide Rechnungen
Eine sofort bezahlte Stromrechnung führt zu einer Auszahlung in der Finanzrechnung und zu einem Aufwand in der Ergebnisrechnung.
Nur in der Ergebnisrechnung
Eine Abschreibung vermindert das Jahresergebnis, ohne im selben Moment eine Auszahlung zu verursachen.
Nur in der Finanzrechnung
Die Aufnahme eines Kredits führt zu einer Einzahlung, stellt aber keinen Ertrag dar. Auch die Kredittilgung ist eine Auszahlung, jedoch grundsätzlich kein Aufwand.
Finanzrechnung und Bilanz
Die Finanzrechnung ist eine Zeitraumrechnung. Sie erfasst die Zahlungsströme zwischen dem Anfang und dem Ende eines Haushaltsjahres.
Die Bilanz ist dagegen eine Stichtagsrechnung. Sie zeigt Vermögen, Schulden und Eigenkapital zu einem bestimmten Datum. Der in der Finanzrechnung ermittelte Zahlungsmittelbestand muss mit den entsprechenden Positionen der Bilanz und den zugehörigen Konten abgestimmt werden können.
Finanzrechnung und Kapitalflussrechnung
Finanzrechnung und Kapitalflussrechnung verfolgen ein ähnliches Ziel: Beide stellen die Herkunft und Verwendung liquider Mittel dar.
Die Begriffe sind dennoch nicht vollständig austauschbar:
- Die Finanzrechnung ist insbesondere ein Bestandteil des öffentlichen doppischen Haushalts- und Rechnungswesens.
- Die Kapitalflussrechnung wird vor allem im kaufmännischen Rechnungswesen von Unternehmen verwendet.
- Gliederung und rechtliche Vorgaben unterscheiden sich.
- Im öffentlichen Bereich ist häufig zusätzlich ein verbindlicher Planvergleich vorgesehen.
Direkte und indirekte Finanzrechnung
Direkte Methode
Bei der direkten Finanzrechnung werden die einzelnen Einzahlungs- und Auszahlungsarten unmittelbar erfasst und ausgewiesen. Dadurch ist erkennbar, aus welchen Quellen Geld zugeflossen und für welche Zwecke es abgeflossen ist.
Die direkte Methode ist im kommunalen Rechnungswesen besonders wichtig, weil die tatsächlichen Zahlungsströme nach haushaltsrechtlich vorgegebenen Positionen dokumentiert werden.
Indirekte Methode
Bei der indirekten Methode wird von einer Erfolgsgröße ausgegangen. Anschließend werden nicht zahlungswirksame Vorgänge und Veränderungen bestimmter Bilanzpositionen korrigiert.
Diese Vorgehensweise ist vor allem aus der Kapitalflussrechnung von Unternehmen bekannt. Welche Methode zulässig oder vorgeschrieben ist, hängt vom jeweiligen Rechnungslegungssystem ab.
Welche Kennzahlen lassen sich aus der Finanzrechnung ableiten?
Aus der Finanzrechnung können verschiedene Kennzahlen gebildet werden. Ihre genaue Aussagekraft hängt von der Haushaltsstruktur und den landesrechtlichen Vorgaben ab.
Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit
Formel: Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit minus Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit
Ein positiver Saldo zeigt, dass die laufenden Einzahlungen die laufenden Auszahlungen übersteigen. Der Überschuss kann grundsätzlich zur Finanzierung von Investitionen oder Tilgungen beitragen.
Investitionssaldo
Formel: Einzahlungen aus Investitionstätigkeit minus Auszahlungen aus Investitionstätigkeit
Ein negativer Investitionssaldo ist nicht automatisch problematisch. Er kann auf umfangreiche Investitionen in Gebäude, Straßen, Schulen oder technische Anlagen hinweisen.
Finanzierungssaldo
Formel: Finanzierungseinzahlungen minus Finanzierungsauszahlungen
Ein positiver Wert kann durch eine höhere Kreditaufnahme entstehen. Er verbessert kurzfristig die Liquidität, erhöht aber möglicherweise die Verschuldung.
Liquiditätsveränderung
Formel: Zahlungsmittelbestand am Jahresende minus Zahlungsmittelbestand am Jahresanfang
Die Kennzahl zeigt, ob die verfügbaren Zahlungsmittel insgesamt gestiegen oder gesunken sind.
Warum ist die Finanzrechnung wichtig?
Die Finanzrechnung liefert Informationen, die aus Ergebnisrechnung und Bilanz allein nicht unmittelbar hervorgehen.
- Liquiditätskontrolle: Sie zeigt, ob ausreichend Zahlungsmittel vorhanden sind.
- Haushaltsüberwachung: Planwerte können mit den tatsächlichen Zahlungen verglichen werden.
- Investitionsanalyse: Umfang und Finanzierung von Investitionen werden sichtbar.
- Schuldenkontrolle: Kreditaufnahmen und Tilgungen lassen sich nachvollziehen.
- Transparenz: Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit können die Mittelverwendung besser beurteilen.
- Frühwarnfunktion: Wiederkehrende Liquiditätsdefizite werden erkennbar.
- Steuerung: Entscheidungsträger erhalten eine Grundlage für zukünftige Haushaltsentscheidungen.
Wie wird eine Finanzrechnung ausgewertet?
Ein einzelner Endsaldo reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Bei der Analyse sollten mehrere Fragen gestellt werden:
- Entsteht aus der laufenden Tätigkeit ein dauerhafter Überschuss?
- Können Investitionen zumindest teilweise aus eigenen Mitteln finanziert werden?
- Wie stark ist die Organisation auf neue Kredite angewiesen?
- Werden bestehende Kredite planmäßig getilgt?
- Warum weichen Plan- und Ist-Zahlen voneinander ab?
- Handelt es sich um einmalige oder dauerhaft wiederkehrende Abweichungen?
- Wie entwickelt sich der Zahlungsmittelbestand über mehrere Jahre?
- Sind größere Zahlungsverpflichtungen in den Folgejahren zu erwarten?
Besonders aussagekräftig wird die Finanzrechnung im Zeitvergleich. Ein einmaliger Fehlbetrag kann durch eine große Investition entstanden sein. Wiederkehrende Fehlbeträge aus der laufenden Tätigkeit können dagegen auf ein strukturelles Finanzierungsproblem hinweisen.
Typische Fehler bei der Finanzrechnung
- Einzahlungen werden mit Erträgen gleichgesetzt.
- Auszahlungen werden automatisch als Aufwand behandelt.
- Kreditaufnahmen werden als wirtschaftlicher Erfolg interpretiert.
- Investitionsauszahlungen werden nicht von laufenden Auszahlungen getrennt.
- Planwerte werden mit tatsächlichen Zahlungen vermischt.
- Nicht zahlungswirksame Vorgänge werden versehentlich aufgenommen.
- Abweichungen werden nur festgestellt, aber nicht begründet.
- Der Endbestand wird nicht mit Kasse, Bankkonten und Bilanz abgestimmt.
- Ein einzelnes Jahr wird ohne Mehrjahresvergleich beurteilt.
Finanzrechnung für private Haushalte
Auch Privatpersonen können das Grundprinzip der Finanzrechnung nutzen. Dafür werden sämtliche tatsächlichen Geldeingänge und Zahlungen eines Monats gegenübergestellt.
Beispiel einer privaten Finanzrechnung
| Position | Betrag |
|---|---|
| Gehalt und weitere Einzahlungen | 3.200 Euro |
| Miete und Nebenkosten | 1.200 Euro |
| Lebensmittel und Haushalt | 500 Euro |
| Mobilität | 300 Euro |
| Versicherungen und Verträge | 250 Euro |
| Freizeit und sonstige Auszahlungen | 400 Euro |
| Monatlicher Überschuss | 550 Euro |
Der Überschuss kann für Rücklagen, Investitionen oder die Tilgung von Schulden eingesetzt werden. Eine solche private Finanzrechnung entspricht zwar nicht den formalen Regeln des öffentlichen Haushaltswesens, nutzt aber dasselbe Grundprinzip: tatsächliche Einzahlungen minus tatsächliche Auszahlungen.
Häufige Fragen zur Finanzrechnung
Was zeigt die Finanzrechnung?
Sie zeigt sämtliche relevanten Einzahlungen und Auszahlungen einer Periode sowie die daraus resultierende Veränderung des Zahlungsmittelbestandes.
Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Finanzrechnung?
Der Finanzplan enthält die erwarteten Zahlungen. Die Finanzrechnung dokumentiert die tatsächlich erfolgten Zahlungen und ermöglicht dadurch einen Plan-Ist-Vergleich.
Was ist der Unterschied zwischen Finanzrechnung und Ergebnisrechnung?
Die Finanzrechnung erfasst Einzahlungen und Auszahlungen. Die Ergebnisrechnung stellt Erträge und Aufwendungen gegenüber.
Ist eine Kreditaufnahme eine Einzahlung?
Ja. Durch die Kreditaufnahme fließen liquide Mittel zu. Sie ist jedoch kein Ertrag, weil gleichzeitig eine Verbindlichkeit entsteht.
Ist eine Abschreibung eine Auszahlung?
Nein. Eine Abschreibung ist ein nicht zahlungswirksamer Aufwand. Sie bildet den Werteverzehr eines Vermögensgegenstandes ab, ohne im Buchungszeitpunkt Geld abfließen zu lassen.
Ist ein negativer Investitionssaldo schlecht?
Nicht zwangsläufig. Ein negativer Investitionssaldo kann auf umfangreiche Investitionen hinweisen. Entscheidend ist, ob die Maßnahmen finanzierbar, wirtschaftlich vertretbar und langfristig tragfähig sind.
Ist ein positiver Finanzierungssaldo immer gut?
Nein. Ein positiver Saldo kann durch neue Kredite entstehen. Dadurch steigt die Liquidität, möglicherweise aber auch die Verschuldung.
Welche gesetzlichen Regeln gelten für die Finanzrechnung?
Im kommunalen Bereich richten sich Aufbau und Inhalt nach dem Haushaltsrecht des jeweiligen Bundeslandes. Daher können Bezeichnungen, Gliederung und einzelne Rechenpositionen voneinander abweichen.
Warum reicht die Ergebnisrechnung nicht aus?
Die Ergebnisrechnung enthält auch nicht zahlungswirksame Vorgänge wie Abschreibungen. Gleichzeitig können zahlungswirksame Vorgänge wie Kreditaufnahmen ohne Ertragswirkung bleiben. Für die Beurteilung der Liquidität ist deshalb eine eigene Finanzrechnung erforderlich.
Fazit
Die Finanzrechnung dokumentiert, welche Zahlungsmittel während einer Periode zu- und abgeflossen sind. Sie zeigt damit die tatsächliche Liquiditätsentwicklung und ergänzt die Ergebnisrechnung sowie die Bilanz um eine zahlungsorientierte Perspektive.
Besonders aussagekräftig sind die Salden aus laufender Tätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit. Sie machen sichtbar, ob der laufende Betrieb genügend Mittel erwirtschaftet, wie Investitionen finanziert werden und welchen Einfluss Kredite auf die Liquidität haben.
Für eine fundierte Bewertung sollte die Finanzrechnung nicht isoliert betrachtet werden. Erst im Zusammenspiel mit Ergebnisrechnung, Bilanz, Planwerten und Mehrjahresvergleich entsteht ein vollständigeres Bild der finanziellen Lage.
0 Kommentare
Hast du eine Frage oder ein Praxisbeispiel? Teile es mit uns.