Sekundäreinkommen bezeichnet in der Einkommensverteilung das Einkommen nach der Umverteilung durch Steuern, Sozialbeiträge und laufende Transferzahlungen. Ausgangspunkt ist das Primäreinkommen, das beispielsweise aus Arbeit, selbstständiger Tätigkeit und Vermögen entsteht.
Bei privaten Haushalten beschreibt der Begriff damit vereinfacht das verfügbare Einkommen nach der Umverteilung. Es kann für Konsum und Sparen verwendet werden.
Daneben hat Sekundäreinkommen eine eigene Bedeutung in der Zahlungsbilanz: Dort werden darunter laufende Übertragungen zwischen Inländern und Ausländern erfasst. Welche Bedeutung gemeint ist, hängt deshalb vom Zusammenhang ab.
Unterschied zwischen Primäreinkommen und Sekundäreinkommen
Die primäre Einkommensverteilung betrifft die Einkommen, die aus der Beteiligung am wirtschaftlichen Produktionsprozess und aus Vermögen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Arbeitsentgelte, Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit, Zinsen und Ausschüttungen.
Die sekundäre Einkommensverteilung verändert diese Ausgangsverteilung durch laufende Umverteilungsvorgänge. Haushalte zahlen beispielsweise Einkommensteuer und Sozialbeiträge. Gleichzeitig können sie Geldleistungen wie eine gesetzliche Rente, Arbeitslosengeld oder Kindergeld erhalten.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Primäreinkommen | Einkommen vor der sekundären Umverteilung | Arbeitsentgelt oder Vermögenseinkommen |
| Empfangene Transfers | Laufende Übertragungen, die das verfügbare Einkommen erhöhen | Monetäre Sozialleistungen |
| Geleistete Transfers und Abgaben | Laufende Zahlungen, die das verfügbare Einkommen vermindern | Einkommensteuer und Sozialbeiträge |
| Sekundäreinkommen | Ergebnis nach der Umverteilung | Verfügbares Haushaltseinkommen für Konsum und Sparen |
Sekundäreinkommen ist somit nicht einfach eine zusätzliche Einnahme. Es bezeichnet in diesem Zusammenhang das Ergebnis der Umverteilung, nicht nur die erhaltenen Sozialleistungen.
Wie wird das Sekundäreinkommen berechnet?
Für einen privaten Haushalt lässt sich der Zusammenhang vereinfacht so darstellen:
Primäreinkommen
− laufende Einkommen- und Vermögensteuern
− geleistete Sozialbeiträge
+ empfangene monetäre Sozialleistungen
+ empfangene sonstige laufende Transfers
− geleistete sonstige laufende Transfers
= verfügbares Einkommen nach Umverteilung
Die genaue statistische Berechnung ist umfangreicher als eine gewöhnliche Lohnabrechnung. Insbesondere können im Primäreinkommen und bei den Sozialbeiträgen Bestandteile enthalten sein, die nicht unmittelbar als Zahlung auf dem privaten Girokonto erscheinen.
Vereinfachtes Rechenbeispiel
Für einen fiktiven Haushalt werden in einem Modell folgende monatliche Beträge angenommen:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Primäreinkommen | 4.000 Euro |
| Abzüglich laufender direkter Steuern | − 600 Euro |
| Abzüglich Sozialbeiträgen | − 800 Euro |
| Zuzüglich monetärer Sozialleistungen | + 300 Euro |
| Saldo sonstiger laufender Transfers | 0 Euro |
| Verfügbares Einkommen nach Umverteilung | 2.900 Euro |
Das Beispiel veranschaulicht nur das Rechenschema. Es bildet weder eine konkrete Steuerberechnung noch eine vollständige volkswirtschaftliche Haushaltsrechnung ab.
Miete, Lebensmittel und andere Konsumausgaben werden anschließend aus dem verfügbaren Einkommen bezahlt. Das Sekundäreinkommen ist daher nicht mit dem Geld gleichzusetzen, das nach allen privaten Ausgaben übrig bleibt.
Welche Rolle spielen Renten und andere Sozialleistungen?
Monetäre Sozialleistungen sind ein wichtiger Bestandteil der sekundären Einkommensverteilung. Eine gesetzliche Altersrente wird in diesem Zusammenhang als Sozialleistung erfasst, auch wenn ihr frühere Beitragszahlungen zugrunde liegen.
Davon zu unterscheiden sind soziale Sachleistungen, beispielsweise individuell bereitgestellte Gesundheits- oder Bildungsleistungen. Diese werden in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in einem weiteren Umverteilungsschritt berücksichtigt. Das daraus entstehende Konzept wird als angepasstes verfügbares Einkommen bezeichnet.
Sekundäreinkommen in der Zahlungsbilanz
In der Zahlungsbilanz bezeichnet Sekundäreinkommen laufende grenzüberschreitende Übertragungen ohne unmittelbare wirtschaftliche Gegenleistung. Es bildet einen Teil der Leistungsbilanz.
Ein Beispiel ist die finanzielle Unterstützung, die eine in Deutschland ansässige Person an Familienangehörige im Ausland überweist. Auch bestimmte laufende staatliche Zahlungen an internationale Organisationen und im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit können dazugehören.
Entscheidend ist die statistische Ansässigkeit, nicht allein die Staatsangehörigkeit. Eine Überweisung zwischen zwei eigenen Konten ist außerdem nicht schon deshalb ein Sekundäreinkommen, weil eines der Konten im Ausland geführt wird.
Auch grenzüberschreitende Lohnzahlungen sind anders einzuordnen: Arbeitsentgelte gehören grundsätzlich zum Primäreinkommen. Bei einer laufenden Unterstützung von Angehörigen handelt es sich dagegen um eine Übertragung.
„Laufend“ bedeutet dabei nicht zwingend, dass jeden Monat derselbe Betrag gezahlt wird. Maßgeblich ist die wirtschaftliche Einordnung der Übertragung und ihre Abgrenzung zu einer Vermögensübertragung.
Ist ein Nebenverdienst Sekundäreinkommen?
Ein zweiter Arbeitsplatz oder ein Nebenverdienst wird umgangssprachlich manchmal als zweites Einkommen bezeichnet. Daraus folgt jedoch nicht, dass es sich volkswirtschaftlich um Sekundäreinkommen handelt.
Ein zusätzliches Arbeitsentgelt gehört zunächst zum Primäreinkommen. Erst durch die Berücksichtigung von Steuern, Sozialbeiträgen und laufenden Transfers ergibt sich das Einkommen nach Umverteilung.
Warum ist Sekundäreinkommen wirtschaftlich wichtig?
Die Unterscheidung hilft dabei, die Einkommensverteilung vor und nach Umverteilung zu untersuchen. Zwei Haushalte mit gleichem Primäreinkommen können beispielsweise unterschiedliche verfügbare Einkommen haben, wenn ihre Abgaben und empfangenen Leistungen voneinander abweichen.
Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen zusätzlich Haushaltsgröße, Zusammensetzung und Bezugszeitraum berücksichtigt werden. Ein höheres Haushaltseinkommen bedeutet bei mehr Haushaltsmitgliedern nicht automatisch einen höheren materiellen Lebensstandard pro Person.
Bei der Interpretation von Statistiken sollte deshalb immer geprüft werden, ob vom Primäreinkommen, vom verfügbaren Haushaltseinkommen oder vom Sekundäreinkommen der Zahlungsbilanz die Rede ist.
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