Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gehört zu den wichtigsten Kennzahlen einer Volkswirtschaft. Es misst den Wert der innerhalb eines bestimmten Zeitraums im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen, soweit diese für den Endverbrauch bestimmt sind.
Das BIP wird häufig verwendet, um die wirtschaftliche Leistung eines Landes zu beurteilen und deren Entwicklung über mehrere Jahre zu vergleichen.
Was bedeutet Bruttoinlandsprodukt einfach erklärt?
Vereinfacht beantwortet das BIP die Frage:
Wie viel wurde innerhalb eines Landes in einem bestimmten Zeitraum wirtschaftlich produziert?
Berücksichtigt werden beispielsweise Leistungen aus:
- Industrie
- Handel
- Handwerk
- Baugewerbe
- Landwirtschaft
- Verkehr
- Information und Kommunikation
- Finanzdienstleistungen
- zahlreichen weiteren Dienstleistungen
Dabei werden Vorleistungen nicht einfach mehrfach addiert. Entscheidend ist die tatsächlich entstandene Wertschöpfung.
Beispiel für die Wertschöpfung
Ein Bäcker kauft Mehl und weitere Zutaten und produziert daraus Brot.
Würde man sowohl den vollständigen Wert der Zutaten als auch den vollständigen Verkaufspreis des Brotes als zusätzliche Produktion zählen, würden Teile der wirtschaftlichen Leistung doppelt berücksichtigt.
Deshalb spielt bei der Berechnung des BIP die Bruttowertschöpfung eine zentrale Rolle.
Wie wird das BIP berechnet?
Das Bruttoinlandsprodukt kann aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden:
- Entstehungsrechnung: Wo wurde die wirtschaftliche Leistung erzeugt?
- Verwendungsrechnung: Wofür wurde die wirtschaftliche Leistung verwendet?
- Verteilungsrechnung: Wie werden die entstandenen Einkommen verteilt?
Diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen beziehen sich auf denselben gesamtwirtschaftlichen Prozess.
Entstehungsrechnung des BIP
Bei der Entstehungsrechnung wird untersucht, in welchen Wirtschaftsbereichen die Wertschöpfung entstanden ist.
Vereinfacht gilt:
Produktionswert – Vorleistungen = Bruttowertschöpfung
Aus der Bruttowertschöpfung der Wirtschaftsbereiche lässt sich unter Berücksichtigung der Gütersteuern und Gütersubventionen das Bruttoinlandsprodukt ermitteln.
Nominales und reales BIP
Beim BIP muss zwischen nominalem und realem Bruttoinlandsprodukt unterschieden werden.
Das nominale BIP wird zu den jeweiligen aktuellen Preisen berechnet. Steigen lediglich die Preise, kann deshalb auch das nominale BIP steigen, ohne dass tatsächlich mehr produziert wurde.
Das reale BIP berücksichtigt Preisveränderungen. Es eignet sich deshalb besser zur Beurteilung des tatsächlichen Wirtschaftswachstums.
Was bedeutet Wirtschaftswachstum?
Steigt das reale Bruttoinlandsprodukt gegenüber einem vorherigen Zeitraum, spricht man üblicherweise von Wirtschaftswachstum.
Sinkt die Wirtschaftsleistung, liegt dagegen eine wirtschaftliche Schrumpfung vor.
Die Veränderungsrate des realen BIP gehört deshalb zu den meistbeachteten Konjunkturindikatoren.
BIP pro Kopf
Für internationale Vergleiche wird häufig das BIP pro Kopf verwendet.
Die vereinfachte Berechnung lautet:
BIP pro Kopf = Bruttoinlandsprodukt / Einwohnerzahl
Dadurch können Länder mit unterschiedlich großer Bevölkerung besser miteinander verglichen werden.
Ein hohes BIP pro Kopf bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Einkommen und Vermögen gleichmäßig verteilt sind.
BIP und Wohlstand – ist das dasselbe?
Nein. Das Bruttoinlandsprodukt misst in erster Linie die wirtschaftliche Leistung.
Viele Aspekte der Lebensqualität werden vom BIP nicht oder nur unzureichend erfasst. Dazu gehören beispielsweise:
- Einkommens- und Vermögensverteilung
- Freizeit
- unbezahlte Hausarbeit
- ehrenamtliche Tätigkeiten
- Umweltqualität
- Gesundheit
- Lebenszufriedenheit
Das BIP ist daher ein wichtiger Wirtschaftsindikator, aber kein vollständiger Wohlstandsindikator.
Unterschied zwischen BIP und Volkseinkommen
Das BIP betrachtet die wirtschaftliche Leistung innerhalb eines Landes.
Das Volkseinkommen betrachtet dagegen die Erwerbs- und Vermögenseinkommen der Inländer.
Beide Größen stehen miteinander in Verbindung, dürfen aber nicht gleichgesetzt werden.
Fazit
Das Bruttoinlandsprodukt ist eine zentrale Kennzahl zur Messung der wirtschaftlichen Leistung eines Landes. Es kann über die Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsseite betrachtet werden.
Besonders das preisbereinigte reale BIP wird verwendet, um zu beurteilen, ob eine Volkswirtschaft wächst oder schrumpft. Für Aussagen über Lebensqualität und Verteilung des Wohlstands sind jedoch zusätzliche Kennzahlen notwendig.
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