Zum Inhalt springen

Wirtschaftslexikon.de

Verständlich Praxisnah Schnell suchbar
  • A
    • Beitrag fehlt
    • Beitrag erstellen
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
    • W
    • X
    • Y
    • Z
    • Impressum

Bilanz einer Kommune

14. August 202615 Minuten Lesezeit0 KommentareB

Die Bilanz einer Kommune zeigt zu einem bestimmten Stichtag, über welches Vermögen eine Stadt, Gemeinde oder ein Landkreis verfügt und wie dieses Vermögen finanziert ist. Sie ist damit ein wichtiger Bestandteil des kommunalen Jahresabschlusses.

Ähnlich wie bei einem Unternehmen werden in der kommunalen Bilanz Vermögen auf der Aktivseite und dessen Finanzierung auf der Passivseite gegenübergestellt. Kommunen verfolgen allerdings andere Ziele als Unternehmen. Eine Gemeinde soll nicht in erster Linie Gewinne erwirtschaften, sondern öffentliche Aufgaben erfüllen und Leistungen für ihre Einwohner bereitstellen.

Straßen, Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude, Grundstücke oder technische Anlagen können deshalb erhebliche Vermögenswerte darstellen, obwohl mit ihnen nicht unmittelbar Einnahmen erzielt werden.

Was ist eine kommunale Bilanz?

Die kommunale Bilanz ist eine stichtagsbezogene Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital einer Kommune.

Vereinfacht gilt:

Aktiva = Passiva

Die Aktivseite beantwortet die Frage:

Welches Vermögen besitzt die Kommune und wofür wurden ihre finanziellen Mittel verwendet?

Die Passivseite zeigt dagegen:

Wie wurde dieses Vermögen finanziert und welche Verpflichtungen bestehen?

Zu beachten ist, dass sich die konkreten Vorschriften für kommunale Haushalte zwischen den Bundesländern unterscheiden können. Begriffe, Gliederung und einzelne Bilanzpositionen können daher je nach Landesrecht voneinander abweichen.

Warum erstellen Kommunen eine Bilanz?

Mit der Einführung der kommunalen Doppik wurde in vielen Kommunen die traditionelle kamerale Betrachtung um eine ressourcenorientierte Rechnungslegung ersetzt beziehungsweise erweitert.

Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass nicht nur Einzahlungen und Auszahlungen betrachtet werden.

Auch Vermögen, Schulden, Abschreibungen, Rückstellungen und Ressourcenverbrauch werden sichtbar.

Damit lassen sich beispielsweise folgende Fragen beantworten:

  • Wie hoch ist das kommunale Vermögen?
  • Wie hoch sind die Verbindlichkeiten?
  • Wie entwickelt sich das Eigenkapital?
  • Wie stark wird das vorhandene Vermögen durch Abschreibungen verbraucht?
  • Welche finanziellen Verpflichtungen bestehen für zukünftige Jahre?
  • Kann die Kommune ihr Vermögen langfristig erhalten?

Wie ist die Bilanz einer Kommune aufgebaut?

Der grundlegende Aufbau ähnelt einer Unternehmensbilanz:

Aktiva Passiva
Anlagevermögen Eigenkapital
Umlaufvermögen Sonderposten
Aktive Rechnungsabgrenzung Rückstellungen
Weitere Aktivposten Verbindlichkeiten
Passive Rechnungsabgrenzung

Die genaue Bezeichnung und Reihenfolge der Positionen richtet sich nach dem für die jeweilige Kommune geltenden Landesrecht.

Was steht auf der Aktivseite einer kommunalen Bilanz?

Die Aktivseite zeigt das Vermögen der Kommune.

Bei Städten und Gemeinden kann das Anlagevermögen besonders umfangreich sein. Schließlich besitzen oder verwalten Kommunen zahlreiche Vermögensgegenstände, die über Jahrzehnte genutzt werden.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Grundstücke,
  • Rathäuser und Verwaltungsgebäude,
  • Schulen,
  • Kindertagesstätten,
  • Feuerwehrgebäude,
  • Sporthallen und Sportplätze,
  • Straßen und Wege,
  • Brücken,
  • Grünanlagen,
  • Fahrzeuge,
  • Maschinen und technische Anlagen sowie
  • Beteiligungen an kommunalen Unternehmen.

Gerade Infrastruktur kann einen erheblichen Teil des kommunalen Vermögens ausmachen.

Was ist kommunales Anlagevermögen?

Zum Anlagevermögen gehören grundsätzlich Vermögensgegenstände, die der Kommune langfristig dienen sollen.

Ein Schulgebäude wird beispielsweise nicht errichtet, um es kurzfristig weiterzuverkaufen. Es soll über viele Jahre oder Jahrzehnte für die kommunale Aufgabenerfüllung genutzt werden.

Ähnliches gilt für Straßen, Verwaltungsgebäude oder Feuerwehrfahrzeuge.

Das kommunale Anlagevermögen kann unter anderem in:

  • immaterielle Vermögensgegenstände,
  • Sachanlagen und
  • Finanzanlagen

gegliedert werden.

Was gehört zum Umlaufvermögen einer Kommune?

Neben dem langfristig gebundenen Anlagevermögen besitzt eine Kommune Umlaufvermögen.

Dazu können – abhängig von den jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften – beispielsweise gehören:

  • Forderungen,
  • liquide Mittel,
  • Bankguthaben,
  • bestimmte Vorräte und
  • kurzfristig gehaltene Vermögenswerte.

Eine Forderung kann beispielsweise entstehen, wenn der Kommune eine Zahlung zusteht, diese zum Bilanzstichtag aber noch nicht eingegangen ist.

Was steht auf der Passivseite?

Die Passivseite zeigt, wie das kommunale Vermögen finanziert ist und welche Verpflichtungen bestehen.

Besonders interessant sind dabei:

  • Eigenkapital,
  • Sonderposten,
  • Rückstellungen und
  • Verbindlichkeiten.

Dadurch lässt sich erkennen, welcher Teil des Vermögens beispielsweise durch Eigenkapital gedeckt ist und in welchem Umfang Verpflichtungen gegenüber Dritten bestehen.

Was bedeutet Eigenkapital bei einer Kommune?

Auch eine Kommune kann in ihrer Bilanz Eigenkapital ausweisen.

Der Begriff darf allerdings nicht genauso interpretiert werden wie bei einem privatwirtschaftlichen Unternehmen. Eine Gemeinde besitzt keine Gesellschafter, die das Eigenkapital wie bei einer GmbH halten.

Vereinfacht ergibt sich das kommunale Eigenkapital aus der Differenz zwischen den auf der Aktivseite ausgewiesenen Vermögenswerten und den entsprechenden Fremdpositionen beziehungsweise Verpflichtungen.

Je nach Bundesland kann das Eigenkapital beispielsweise unterschiedliche Rücklagen und das Jahresergebnis umfassen.

Verluste beziehungsweise Jahresfehlbeträge können langfristig das Eigenkapital einer Kommune belasten.

Was sind Sonderposten in der kommunalen Bilanz?

Eine für kommunale Bilanzen besonders interessante Position sind die Sonderposten.

Kommunen finanzieren Investitionen häufig nicht vollständig aus eigenen Mitteln. Für den Bau einer Schule, Straße oder anderen öffentlichen Einrichtung können beispielsweise Zuschüsse und Zuwendungen gewährt werden.

Solche investitionsbezogenen Finanzierungsbeiträge können – abhängig von den geltenden kommunalen Rechnungslegungsvorschriften – als Sonderposten auf der Passivseite erscheinen.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Eine Kommune errichtet eine Einrichtung für 5 Millionen Euro. Für die Investition erhält sie einen zweckgebundenen Zuschuss von 2 Millionen Euro.

Der Vermögensgegenstand wird auf der Aktivseite bilanziert. Die erhaltene Investitionsförderung kann auf der Passivseite in einem entsprechenden Sonderposten abgebildet werden.

Über die Nutzungsdauer können sowohl Abschreibungen als auch die Auflösung des zugehörigen Sonderpostens das Ergebnis beeinflussen.

Was sind Rückstellungen einer Kommune?

Rückstellungen werden für bestimmte zukünftige Verpflichtungen gebildet, bei denen Höhe oder Zeitpunkt noch nicht vollständig feststehen.

Bei Kommunen können – abhängig vom jeweiligen Landesrecht – beispielsweise Rückstellungen für bestimmte Personal- oder Pensionsverpflichtungen von großer Bedeutung sein.

Daneben können weitere Verpflichtungen Rückstellungen erforderlich machen.

Rückstellungen sind deshalb wichtig, weil sie zeigen, dass eine Kommune neben ihren unmittelbar sichtbaren Schulden auch Verpflichtungen besitzen kann, die erst in zukünftigen Haushaltsjahren zu Zahlungen führen.

Welche Schulden stehen in einer kommunalen Bilanz?

Zu den Verbindlichkeiten einer Kommune können insbesondere Kreditverbindlichkeiten gehören.

Kommunen können Kredite beispielsweise zur Finanzierung von Investitionen aufnehmen, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Daneben können weitere Verbindlichkeiten bestehen, etwa gegenüber:

  • Lieferanten und Dienstleistern,
  • Kreditinstituten,
  • anderen öffentlichen Bereichen oder
  • sonstigen Gläubigern.

Bei der Beurteilung einer Kommune sollte deshalb nicht lediglich eine einzelne veröffentlichte „Schuldenzahl“ betrachtet werden.

Investitionskredite und Liquiditätskredite

Bei kommunalen Schulden ist die Art der Verschuldung besonders wichtig.

Investitionskredite stehen typischerweise im Zusammenhang mit langfristigen Investitionen. Eine Kommune kann beispielsweise einen Kredit aufnehmen, um eine Schule oder andere Infrastruktur zu finanzieren.

Daneben gibt es Liquiditätskredite, die – vereinfacht gesprochen – der Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit dienen.

Sie lassen sich teilweise mit einem Kontokorrentkredit vergleichen.

Hohe und dauerhaft bestehende Liquiditätskredite können ein Hinweis auf strukturelle finanzielle Schwierigkeiten einer Kommune sein.

Die genaue rechtliche Ausgestaltung und Bezeichnung kann wiederum vom jeweiligen Bundesland abhängen.

Was sind Abschreibungen bei einer Kommune?

Ein wesentlicher Vorteil der doppischen Betrachtung besteht darin, dass der Werteverzehr kommunalen Vermögens sichtbar gemacht wird.

Angenommen, eine Kommune errichtet ein Gebäude für 10 Millionen Euro und dieses besitzt eine angenommene Nutzungsdauer von 50 Jahren.

Vereinfacht und ohne Berücksichtigung weiterer Bewertungsfragen würde sich bei linearer Abschreibung ergeben:

10.000.000 € / 50 Jahre = 200.000 € Abschreibung pro Jahr

Diese 200.000 Euro stellen den jährlichen rechnerischen Werteverzehr dar.

Die Kommune sieht dadurch nicht nur, was der Bau ursprünglich gekostet hat, sondern auch, dass die Nutzung der Infrastruktur wirtschaftliche Ressourcen verbraucht.

Warum sind Abschreibungen für Kommunen wichtig?

Bei einer rein zahlungsorientierten Betrachtung fällt eine große Ausgabe zunächst im Jahr der Investition an.

Die wirtschaftliche Nutzung beispielsweise einer Schule erfolgt jedoch über viele Jahrzehnte.

Durch Abschreibungen wird dieser Werteverzehr über die Nutzungsdauer dargestellt.

Das macht ein wichtiges Problem sichtbar:

Kann eine Kommune dauerhaft genügend Ressourcen erwirtschaften, um ihr vorhandenes Vermögen zu erhalten?

Werden Straßen, Schulen und andere Einrichtungen über viele Jahre genutzt, ohne ausreichend in ihren Erhalt oder Ersatz zu investieren, kann ein erheblicher Investitionsstau entstehen.

Was ist die Ergebnisrechnung einer Kommune?

Neben der Bilanz gehört bei doppisch rechnenden Kommunen die Ergebnisrechnung zu den besonders wichtigen Bestandteilen des Jahresabschlusses.

Sie stellt vereinfacht Erträge und Aufwendungen eines Haushaltsjahres gegenüber.

Die Grundidee lautet:

Erträge – Aufwendungen = Jahresergebnis

Übersteigen die Erträge die Aufwendungen, entsteht ein Überschuss. Sind die Aufwendungen höher, entsteht ein Fehlbetrag.

Dabei werden auch Vorgänge berücksichtigt, die nicht unmittelbar mit einer Zahlung im gleichen Zeitraum verbunden sein müssen – beispielsweise Abschreibungen.

Was ist die Finanzrechnung einer Kommune?

Die Finanzrechnung konzentriert sich dagegen auf Zahlungsströme.

Sie zeigt vereinfacht, welche Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb des Haushaltsjahres stattgefunden haben.

Damit ergeben sich drei unterschiedliche Perspektiven:

Rechnung Was wird betrachtet?
Bilanz Vermögen und Finanzierung zum Stichtag
Ergebnisrechnung Erträge und Aufwendungen
Finanzrechnung Einzahlungen und Auszahlungen

Diese drei Bestandteile ergänzen sich.

Kommunale Doppik einfach erklärt

Die Doppik orientiert sich grundsätzlich am System der doppelten Buchführung.

Das kommunale Rechnungswesen unterscheidet dabei insbesondere zwischen:

Vermögen und Kapital – dargestellt in der Bilanz,

Erträgen und Aufwendungen – dargestellt in der Ergebnisrechnung,

sowie

Einzahlungen und Auszahlungen – dargestellt in der Finanzrechnung.

Dadurch lässt sich die wirtschaftliche Situation einer Kommune umfassender darstellen als allein durch die Betrachtung von Zahlungsströmen.

Was ist der Unterschied zwischen kommunaler Doppik und Kameralistik?

Traditionell wurde in vielen Kommunen die Kameralistik eingesetzt.

Sie konzentriert sich besonders auf Einnahmen und Ausgaben sowie die Einhaltung des Haushaltsplans.

Die Doppik berücksichtigt darüber hinaus den Ressourcenverbrauch und die Vermögensentwicklung.

Vereinfacht lässt sich der Unterschied so darstellen:

Kameralistik Doppik
Starke Orientierung an Einnahmen und Ausgaben Erträge und Aufwendungen sowie Zahlungsströme
Vermögensentwicklung weniger im Mittelpunkt Bilanzielle Darstellung des Vermögens
Werteverzehr nur eingeschränkt sichtbar Abschreibungen zeigen Ressourcenverbrauch
Haushaltsbewirtschaftung im Mittelpunkt Zusätzliche Betrachtung von Vermögen und Kapital

Die kommunale Rechnungslegung ist in Deutschland allerdings nicht bundesweit einheitlich. Welche Regelungen gelten, bestimmt insbesondere das jeweilige Landesrecht.

Was ist eine kommunale Eröffnungsbilanz?

Beim Übergang auf ein doppisches Rechnungswesen musste beziehungsweise muss das vorhandene Vermögen erstmals systematisch erfasst und bewertet werden.

Das Ergebnis wird in einer Eröffnungsbilanz dargestellt.

Dazu müssen beispielsweise:

  • Grundstücke,
  • Gebäude,
  • Straßen,
  • Fahrzeuge,
  • Beteiligungen,
  • Forderungen,
  • Verbindlichkeiten und
  • weitere relevante Positionen

erfasst und nach den jeweils geltenden Vorschriften bewertet werden.

Gerade bei jahrzehntealter Infrastruktur kann diese erstmalige Bewertung aufwendig sein.

Ist eine Kommune mit hoher Bilanzsumme reich?

Nein. Eine hohe Bilanzsumme bedeutet nicht automatisch finanziellen Wohlstand.

Eine Großstadt kann Milliarden Euro an Straßen, Schulen, Grundstücken und anderen Vermögenswerten besitzen und gleichzeitig erhebliche Schulden sowie hohe zukünftige Verpflichtungen haben.

Außerdem lässt sich eine Straße nicht einfach verkaufen, nur weil kurzfristig Geld benötigt wird. Ein großer Teil des kommunalen Vermögens wird unmittelbar zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben benötigt.

Die Bilanzsumme allein eignet sich deshalb kaum zur Beurteilung der finanziellen Stärke einer Kommune.

Kann eine Kommune trotz hohen Vermögens finanzielle Probleme haben?

Ja. Das ist sogar ein wichtiger Unterschied zwischen Vermögen und Liquidität.

Eine Gemeinde kann zahlreiche Gebäude, Grundstücke und Straßen besitzen und trotzdem Schwierigkeiten haben, laufende Rechnungen zu bezahlen.

Beispielsweise kann eine Schule einen erheblichen bilanziellen Wert besitzen. Dieser Wert befindet sich aber nicht als verfügbares Geld auf dem Bankkonto.

Deshalb sollten bei der kommunalen Finanzanalyse Bilanz, Ergebnisrechnung und Finanzrechnung gemeinsam betrachtet werden.

Welche Kennzahlen sind bei einer kommunalen Bilanz interessant?

Aus einer kommunalen Bilanz lassen sich zahlreiche Kennzahlen ableiten.

Eine einfache Kennzahl ist beispielsweise die Eigenkapitalquote:

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Bilanzsumme × 100

Angenommen, eine Kommune besitzt:

500 Millionen Euro Bilanzsumme

und

200 Millionen Euro Eigenkapital.

Dann beträgt die vereinfachte Eigenkapitalquote:

200 / 500 × 100 = 40 %

Eine einzelne Kennzahl sollte jedoch niemals isoliert bewertet werden. Kommunen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Einwohnerzahl, Aufgaben, Infrastruktur, ausgegliederter Betriebe und finanzieller Rahmenbedingungen.

Schulden je Einwohner berechnen

Eine häufig verwendete Kennzahl ist die Verschuldung je Einwohner.

Die Berechnung lautet:

Schulden je Einwohner = relevante Schulden / Einwohnerzahl

Beispiel:

Eine Stadt hat 100.000 Einwohner und 200 Millionen Euro Schulden.

200.000.000 € / 100.000 = 2.000 € je Einwohner

Die Verschuldung beträgt damit rechnerisch 2.000 Euro je Einwohner.

Dieser Wert eignet sich für Vergleiche besser als die reine Gesamtschuld, muss aber ebenfalls vorsichtig interpretiert werden.

Warum können Schuldenvergleiche zwischen Kommunen irreführend sein?

Zwei Städte mit gleicher Einwohnerzahl und gleicher Verschuldung müssen finanziell keineswegs gleich aufgestellt sein.

Ein wesentlicher Grund sind kommunale Unternehmen und Beteiligungen.

In einer Stadt können beispielsweise Verkehrsbetriebe, Energieversorgung oder Immobiliengesellschaften unmittelbar im Kernhaushalt abgebildet sein. Eine andere Kommune hat vergleichbare Aufgaben möglicherweise auf rechtlich selbstständige Unternehmen ausgelagert.

Ein einfacher Vergleich der Schulden des Kernhaushalts kann dadurch ein verzerrtes Bild ergeben.

Für einen aussagekräftigen Vergleich sollte deshalb geprüft werden, welche Einheiten und Verbindlichkeiten in der jeweiligen Kennzahl tatsächlich enthalten sind.

Was ist ein Gesamtabschluss einer Kommune?

Kommunen können zahlreiche Aufgaben über Beteiligungen und kommunale Unternehmen erfüllen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Stadtwerke,
  • Verkehrsgesellschaften,
  • Wohnungsunternehmen,
  • Entsorgungsbetriebe oder
  • weitere kommunale Gesellschaften.

Ein kommunaler Gesamtabschluss kann – soweit nach dem jeweiligen Landesrecht vorgesehen – dazu dienen, die Kommune und relevante verselbstständigte Aufgabenbereiche zusammengefasst zu betrachten.

Die Idee ähnelt in gewisser Weise einem Konzernabschluss in der Privatwirtschaft.

Woran erkennt man eine finanziell gesunde Kommune?

Eine einzelne Bilanzposition reicht hierfür nicht aus.

Für eine umfassendere Beurteilung sind beispielsweise interessant:

  • Entwicklung des Eigenkapitals,
  • Jahresergebnisse über mehrere Jahre,
  • Liquidität,
  • Höhe und Struktur der Verschuldung,
  • Liquiditätskredite,
  • Investitionstätigkeit,
  • Abschreibungen,
  • Rückstellungen,
  • Steuereinnahmen,
  • Investitionsstau und
  • Verpflichtungen kommunaler Beteiligungen.

Besonders wichtig ist die Entwicklung über mehrere Jahre.

Ein einzelner Jahresfehlbetrag kann beispielsweise durch außergewöhnliche Ereignisse entstehen. Wiederkehrende hohe Fehlbeträge können dagegen auf strukturelle Probleme hinweisen.

Beispiel für eine vereinfachte kommunale Bilanz

Eine fiktive Gemeinde könnte folgende Bilanz besitzen:

Aktiva Passiva
Grundstücke und Gebäude: 80 Mio. € Eigenkapital: 90 Mio. €
Straßen und Infrastruktur: 60 Mio. € Sonderposten: 35 Mio. €
Fahrzeuge und Ausstattung: 10 Mio. € Rückstellungen: 20 Mio. €
Finanzanlagen/Beteiligungen: 30 Mio. € Verbindlichkeiten: 45 Mio. €
Forderungen: 10 Mio. €
Liquide Mittel: 10 Mio. €
Bilanzsumme: 200 Mio. € Bilanzsumme: 200 Mio. €

Die Kommune besitzt in diesem vereinfachten Beispiel Vermögenswerte von insgesamt 200 Millionen Euro.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ihr 200 Millionen Euro frei zur Verfügung stehen. Lediglich 10 Millionen Euro werden hier als liquide Mittel ausgewiesen. Ein großer Teil des Vermögens ist langfristig in Gebäuden, Straßen und anderen Anlagen gebunden.

Wo findet man die Bilanz einer Stadt oder Gemeinde?

Wer die finanzielle Situation seiner eigenen Kommune untersuchen möchte, findet entsprechende Unterlagen häufig auf der Internetseite der Stadt, Gemeinde oder des Landkreises.

Interessante Suchbegriffe sind beispielsweise:

„Jahresabschluss + Name der Stadt“

„Haushaltsplan + Name der Gemeinde“

„Bilanz + Name der Kommune“

„Gesamtabschluss + Name der Stadt“

Neben der Bilanz können insbesondere Ergebnisrechnung, Finanzrechnung, Anhang und weitere Erläuterungen wichtige Informationen enthalten.

Wie liest man eine kommunale Bilanz richtig?

Für eine erste Analyse kann man schrittweise vorgehen.

Zunächst sollte die Bilanzsumme betrachtet werden. Anschließend sind Eigenkapital, Verbindlichkeiten und Rückstellungen interessant.

Danach lohnt sich ein Blick auf die Zusammensetzung des Vermögens.

Besonders wichtig ist anschließend der Vergleich mit den Vorjahren:

Steigt oder sinkt das Eigenkapital?

Nehmen die Schulden zu?

Wie entwickeln sich die liquiden Mittel?

Wie hoch sind die jährlichen Abschreibungen?

Investiert die Kommune ausreichend in ihr Vermögen?

Entstehen regelmäßig Überschüsse oder Fehlbeträge?

Erst diese Kombination vermittelt ein aussagekräftigeres Bild.

Fazit: Die kommunale Bilanz macht Vermögen und Verpflichtungen sichtbar

Die Bilanz einer Kommune zeigt wesentlich mehr als lediglich deren Schulden. Sie stellt das kommunale Vermögen der Finanzierung dieses Vermögens gegenüber und macht dadurch langfristige wirtschaftliche Zusammenhänge sichtbar.

Auf der Aktivseite finden sich beispielsweise Grundstücke, Schulen, Straßen, Gebäude, Beteiligungen, Forderungen und liquide Mittel. Die Passivseite enthält unter anderem Eigenkapital, Sonderposten, Rückstellungen und Verbindlichkeiten.

Besonders aussagekräftig wird die kommunale Bilanz zusammen mit Ergebnisrechnung und Finanzrechnung. Während die Bilanz einen Stichtag betrachtet, zeigt die Ergebnisrechnung den Ressourcenverbrauch eines Haushaltsjahres und die Finanzrechnung die tatsächlichen Zahlungsströme.

Wer die finanzielle Lage einer Stadt oder Gemeinde beurteilen möchte, sollte deshalb nicht nur fragen: „Wie hoch sind die Schulden?“

Viel wichtiger ist die Gesamtbetrachtung: Wie entwickeln sich Vermögen, Eigenkapital, Verschuldung, Liquidität und Jahresergebnisse – und kann die Kommune ihre Infrastruktur langfristig finanzieren und erhalten?

0 Kommentare

Hast du eine Frage oder ein Praxisbeispiel? Teile es mit uns.

Antwort abbrechen

Dranbleiben

Weitere hilfreiche Einstiege

Nächster Beitrag Wertschöpfung
Bilanz: Definition, Aufbau und Bedeutung für Unternehmen Bilanz: Definition, Aufbau und Bedeutung für Unternehmen Die Bilanz gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Jahresabschlusses... Brombeeren Brombeeren – gesund, nährstoffreich und meist gut verträglich Was sind Brombeeren? Brombeeren (Rubus fruticosus) gehören zur... Beta Beta – Definition, Bedeutung und Anwendungsbereiche Was bedeutet Beta? Beta (β) ist der zweite Buchstabe des...

Beitragsnavigation

← Vorheriger BeitragErgebnisrechnung
Nächster Beitrag →Wertschöpfung

Neueste Beiträge

  • Wirtschaftlichkeit
  • Wertschöpfung
  • Bilanz einer Kommune
  • Ergebnisrechnung
  • Bilanz: Definition, Aufbau und Bedeutung für Unternehmen
  1. Bruder Johannes XY zu Lithium, Silber und Gold26. Januar 2026

    Preis-Vergleich Gold und Lithium - Jänner 2026 Der aktuelle Lithiumpreis pro kg liegt bei etwa 17.100 USD pro kg. (171.000…

  2. Rico zu Drei-Schichten-Modell9. Januar 2026

    Wo finde ich die wissenschaftliche Fachquelle zu dieser Aussage?

  3. Ralph zu Cap-Darlehen2. Mai 2024

    Grüße von boersenwissen.info

  4. Ralph zu Bilanz2. Mai 2024

    Viele Grüße, Schaut auch mal bei uns rein

  5. Compliance - Wirtschaftslexikon.de zu Corporate Governance19. Oktober 2023

    […] hat in den letzten Jahren aufgrund strengerer Vorschriften und einer verstärkten Betonung der Corporate Governance erheblich zugenommen. Unternehmen müssen…

Kategorien

  • A
  • Allgemein
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z

Seiten

  • Beitrag erstellen
  • Beitrag fehlt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Ohne Anmeldung einen Beitrag erstellen
  • Wirtschaftslexikon
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Datenschutz & Nutzungsbedingungen

Wirtschaftslexikon.de

Wirtschaftsbegriffe, Kennzahlen und Praxiswissen verständlich erklärt.

  • Impressum
  • Datenschutz
  • Datenschutz & Nutzungsbedingungen