Ein Preisnehmer akzeptiert den Marktpreis als gegeben und entscheidet, welche Menge er zu diesem Preis kaufen oder verkaufen möchte. Deshalb wird er auch als Mengenanpasser bezeichnet. Beide Begriffe beschreiben grundsätzlich dasselbe Marktverhalten, betonen aber unterschiedliche Seiten: Der Preis wird hingenommen, die Menge wird angepasst.
Das Konzept gehört zur Mikroökonomie und ist besonders wichtig für das Modell der vollkommenen Konkurrenz.
Was ist ein Preisnehmer?
Ein Preisnehmer, auf Englisch Price Taker, ist ein Marktteilnehmer, dessen einzelne Entscheidungen den Marktpreis nicht beeinflussen. Aus seiner Sicht steht der Preis fest.
Ein Unternehmen fragt sich dann nicht: „Welchen Preis setze ich durch?“, sondern: „Wie viel sollte ich zum bestehenden Marktpreis produzieren und verkaufen?“
Auch Käufer können Preisnehmer sein. Sie nehmen den angebotenen Preis als gegeben hin und entscheiden, ob und wie viel sie kaufen.
Was ist ein Mengenanpasser?
Ein Mengenanpasser verfolgt seine wirtschaftlichen Ziele, indem er die angebotene oder nachgefragte Menge verändert. Der Preis ist dabei keine Größe, die er selbst beeinflussen kann.
- Unternehmen entscheiden über ihre Produktions- und Angebotsmenge.
- Haushalte entscheiden über ihre Einkaufs- und Nachfragemenge.
- Beide können sich auch dafür entscheiden, zu einem bestimmten Preis nicht am Markt teilzunehmen.
Merksatz: Der Preisnehmer nimmt den Preis hin – der Mengenanpasser entscheidet über die Menge.
Was ist der Unterschied zwischen Preisnehmer und Mengenanpasser?
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet. Der Unterschied liegt vor allem in der Betrachtungsweise:
| Begriff | Betont wird | Typische Frage |
|---|---|---|
| Preisnehmer | Kein eigener Einfluss auf den Marktpreis | Welchen Preis gibt der Markt vor? |
| Mengenanpasser | Entscheidung über die gehandelte Menge | Welche Menge ist bei diesem Preis sinnvoll? |
Ein Unternehmen wird also nicht erst zum Preisnehmer und anschließend zum Mengenanpasser. Beide Bezeichnungen beschreiben unterschiedliche Aspekte seiner Entscheidungssituation.
Einfaches Beispiel für einen Mengenanpasser
Angenommen, ein kleiner Betrieb verkauft ein standardisiertes Produkt auf einem Markt mit sehr vielen Anbietern. Der Marktpreis beträgt 10 Euro pro Stück. Der Betrieb ist so klein, dass seine eigene Angebotsmenge diesen Preis nicht verändert.
Für die Entscheidung über zusätzliche Produktion betrachtet er die Grenzkosten: die Kosten, die durch eine weitere Einheit entstehen.
| Zusätzliche Einheit | Zusätzlicher Erlös | Zusätzliche Kosten | Auswirkung auf den Gewinn |
|---|---|---|---|
| Erste zusätzliche Einheit | 10 Euro | 7 Euro | Steigt um 3 Euro |
| Zweite zusätzliche Einheit | 10 Euro | 9 Euro | Steigt um 1 Euro |
| Dritte zusätzliche Einheit | 10 Euro | 12 Euro | Sinkt um 2 Euro |
Unter diesen vereinfachten Annahmen lohnt es sich, die ersten beiden zusätzlichen Einheiten herzustellen. Die dritte würde den Gewinn verringern. Der Betrieb passt seine Menge an, statt einen höheren Marktpreis festzulegen.
Bei welcher Marktform gibt es Preisnehmer?
Preisnehmer sind typisch für die vollkommene Konkurrenz. Zu den Modellannahmen gehören insbesondere viele kleine Anbieter und Nachfrager, gleichartige Güter und eine umfassende Marktübersicht.
Ein einzelner Anbieter kann für ein identisches Produkt keinen höheren Preis durchsetzen, wenn Käufer ohne Nachteile zu anderen Anbietern wechseln können.
Viele Anbieter allein reichen jedoch nicht aus. Auch in einem Polypol können Unternehmen durch Marken, unterschiedliche Qualität, Service oder einen besonderen Standort einen gewissen Preisspielraum besitzen. Vollkommene Konkurrenz ist ein vereinfachtes Modell, nicht die genaue Beschreibung jedes realen Marktes.
Warum verändert sich der Preis trotzdem?
„Preisnehmer“ bedeutet nicht, dass der Marktpreis dauerhaft unverändert bleibt. Es bedeutet lediglich, dass der einzelne Marktteilnehmer ihn nicht beeinflussen kann.
Ändern sich das gesamte Angebot oder die gesamte Nachfrage, kann ein neuer Marktpreis entstehen. Beispielsweise kann eine schlechte Ernte das Gesamtangebot eines Agrarprodukts verringern. Ein einzelner kleiner Betrieb nimmt den daraus entstehenden Preis weiterhin als gegeben hin.
Was ist der Unterschied zum Preissetzer?
Ein Preissetzer besitzt einen gewissen Spielraum bei der Wahl seines Verkaufspreises. Das kann beispielsweise an einem besonderen Produkt oder an geringer Konkurrenz liegen.
Allerdings kann auch ein Preissetzer Preis und Absatzmenge nicht beliebig festlegen: Ein höherer Preis kann dazu führen, dass weniger gekauft wird. Ein Preisnehmer berücksichtigt dagegen bei seiner Mengenentscheidung einen aus seiner Sicht vorgegebenen Preis.
Fazit: Preis vorgegeben, Menge wählbar
Preisnehmer und Mengenanpasser bezeichnen grundsätzlich dasselbe Marktverhalten. Der einzelne Anbieter oder Käufer kann den Marktpreis nicht beeinflussen, wohl aber seine eigene Menge. Für das Verständnis ist entscheidend, zwischen dem Verhalten eines einzelnen Marktteilnehmers und den Veränderungen des gesamten Marktes zu unterscheiden.
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