Die laufende Verzinsung beschreibt die regelmäßigen Zinserträge, die eine Geldanlage oder ein verzinsliches Wertpapier innerhalb eines bestimmten Zeitraums abwirft. Besonders häufig wird der Begriff im Zusammenhang mit Anleihen, festverzinslichen Wertpapieren und anderen Kapitalanlagen verwendet.
Für Anleger ist die laufende Verzinsung eine wichtige Kennzahl, weil sie zeigt, welche regelmäßigen Zinseinnahmen im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erzielt werden können.
Allerdings darf sie nicht mit der Gesamtrendite oder der Effektivverzinsung einer Anlage verwechselt werden.
Was bedeutet laufende Verzinsung?
Die laufende Verzinsung bezeichnet im allgemeinen Sinn den Zinsertrag, den eine Kapitalanlage fortlaufend erwirtschaftet.
Bei Anleihen wird damit häufig die sogenannte laufende Rendite beziehungsweise Current Yield bezeichnet.
Sie setzt die jährliche Zinszahlung einer Anleihe in Beziehung zu ihrem aktuellen Börsenkurs.
Dadurch unterscheidet sie sich vom Nominalzins, der sich auf den Nennwert der Anleihe bezieht.
Laufende Verzinsung berechnen
Bei einer festverzinslichen Anleihe kann die laufende Verzinsung vereinfacht mit folgender Formel berechnet werden:
Laufende Verzinsung = Jährliche Zinszahlung / Aktueller Kaufkurs × 100
Der Kaufkurs und die jährliche Zinszahlung müssen dabei auf denselben Nennbetrag bezogen sein.
Beispiel zur Berechnung
Ein Anleger betrachtet eine Anleihe mit folgenden Eigenschaften:
- Nennwert: 1.000 Euro
- Nominalzins: 4 Prozent jährlich
- Jährliche Zinszahlung: 40 Euro
- Aktueller Börsenkurs: 950 Euro
Die laufende Verzinsung beträgt:
40 / 950 × 100 = 4,21 Prozent
Obwohl der Nominalzins nur 4 Prozent beträgt, liegt die laufende Verzinsung bei rund 4,21 Prozent.
Der Grund: Die Anleihe wird unter ihrem Nennwert gehandelt.
Nominalzins und laufende Verzinsung – Unterschied
Der Nominalzins einer Anleihe gibt an, wie hoch die regelmäßige Verzinsung bezogen auf den Nennwert ist.
Die laufende Verzinsung berücksichtigt dagegen den aktuellen Kurs.
| Merkmal | Nominalzins | Laufende Verzinsung |
|---|---|---|
| Bezugsgröße | Nennwert | Aktueller Kurs |
| Veränderung durch Kursschwankungen | Bei festem Kupon nein | Ja |
| Berücksichtigung von Kursgewinn oder Kursverlust bis zur Fälligkeit | Nein | Nein |
| Aussage | Vertraglicher Zinssatz | Laufender Zinsertrag bezogen auf den Kurs |
Wie beeinflusst der Anleihekurs die laufende Verzinsung?
Der Kurs einer Anleihe hat einen direkten Einfluss auf ihre laufende Verzinsung.
Bei unveränderter jährlicher Zinszahlung gilt:
- Sinkt der Anleihekurs, steigt die laufende Verzinsung.
- Steigt der Anleihekurs, sinkt die laufende Verzinsung.
Beispiel für eine Anleihe mit 40 Euro jährlicher Zinszahlung:
| Kaufkurs | Laufende Verzinsung |
|---|---|
| 900 € | 4,44 % |
| 950 € | 4,21 % |
| 1.000 € | 4,00 % |
| 1.050 € | 3,81 % |
| 1.100 € | 3,64 % |
Die Tabelle verdeutlicht, warum die tatsächliche Kaufentscheidung nicht allein anhand des Nominalzinses getroffen werden sollte.
Laufende Verzinsung und Rendite bis zur Fälligkeit
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen laufender Verzinsung und Rendite bis zur Fälligkeit.
Die laufende Verzinsung berücksichtigt lediglich die regelmäßigen Zinszahlungen im Verhältnis zum Kaufkurs.
Die Rendite bis zur Fälligkeit berücksichtigt bei den zugrunde gelegten Annahmen zusätzlich:
- den Kaufpreis,
- die verbleibende Laufzeit,
- die vertraglichen Zinszahlungen,
- den Rückzahlungsbetrag,
- die zeitliche Verteilung der Zahlungen.
Wird eine Anleihe unter ihrem Nennwert gekauft und bei Fälligkeit zum Nennwert zurückgezahlt, entsteht zusätzlich zu den Zinsen ein Kursgewinn.
Bei einem Kauf über dem Nennwert kann dagegen ein Kursverlust bis zur Rückzahlung entstehen.
Deshalb ist die Rendite bis zur Fälligkeit für viele Anlageentscheidungen aussagekräftiger als die laufende Verzinsung.
Sie ist allerdings eine rechnerische Größe, die unter anderem die vertragsgemäße Zahlung durch den Emittenten voraussetzt.
Laufende Verzinsung bei Staatsanleihen
Bei Staatsanleihen wie deutschen Bundesanleihen hängt die laufende Verzinsung vom jeweiligen Kupon und Börsenkurs ab.
Nicht jede Bundesanleihe besitzt denselben Zinssatz.
Außerdem können sich die Kurse bereits ausgegebener Bundesanleihen im Laufe der Zeit verändern.
Ein Anleger sollte deshalb nicht nur auf die laufende Verzinsung achten, sondern auch auf:
- Restlaufzeit
- Rendite bis zur Fälligkeit
- Bonität des Staates
- Währung
- Kaufkosten
- Kursrisiko bei vorzeitigem Verkauf
Bei einer Nullkuponanleihe gibt es keine regelmäßigen Kuponzahlungen. Ihre laufende Kuponverzinsung beträgt daher null, obwohl die Anlage eine positive Rendite bis zur Fälligkeit bieten kann.
Laufende Verzinsung bei Festgeld und Tagesgeld
Auch bei Tagesgeld und Festgeld werden Zinserträge erwirtschaftet.
Hier wird allerdings üblicherweise vom vereinbarten oder variablen Zinssatz gesprochen und nicht von der laufenden Anleiherendite.
Beim Festgeld ist der vereinbarte Zinssatz normalerweise für die festgelegte Laufzeit garantiert.
Beim Tagesgeld ist der Zinssatz grundsätzlich variabel und kann von der Bank verändert werden.
Bei beiden Anlageformen beeinflussen auch Zinsgutschriften und mögliche Zinseszinseffekte den gesamten Ertrag.
Welche Risiken berücksichtigt die laufende Verzinsung nicht?
Die laufende Verzinsung allein ermöglicht keine vollständige Risikobewertung.
Nicht berücksichtigt werden insbesondere:
- Kursverluste
- Ausfallrisiken des Emittenten
- Veränderungen der Kaufkraft durch Inflation
- Steuern
- Transaktions- und Depotkosten
- Währungsrisiken bei Fremdwährungsanleihen
Bei Anleihekäufen können außerdem Stückzinsen anfallen, die bei der tatsächlichen Zahlungs- und Renditebetrachtung berücksichtigt werden müssen.
Häufige Fragen zur laufenden Verzinsung
Was ist die laufende Verzinsung einfach erklärt?
Sie zeigt bei einer Anleihe, wie hoch die jährlichen Zinszahlungen im Verhältnis zum aktuellen Kurs sind.
Ist die laufende Verzinsung gleich der Rendite?
Nein. Die laufende Verzinsung berücksichtigt insbesondere die regelmäßigen Zinszahlungen. Kursgewinne oder Kursverluste bis zur Fälligkeit werden nicht einbezogen.
Kann die laufende Verzinsung höher als der Nominalzins sein?
Ja. Liegt der Börsenkurs einer festverzinslichen Anleihe unter ihrem Nennwert, ist die laufende Verzinsung höher als der Nominalzins.
Kann eine Anleihe trotz hoher laufender Verzinsung Verlust machen?
Ja. Beispielsweise durch Kursverluste beim vorzeitigen Verkauf oder durch einen Zahlungsausfall des Emittenten.
Ist die laufende Verzinsung garantiert?
Der feste Kupon ist vertraglich vorgesehen, seine Auszahlung hängt jedoch von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten ab. Die laufende Verzinsung als Kurskennzahl verändert sich außerdem mit dem Börsenkurs.
Fazit
Die laufende Verzinsung ist eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung regelmäßiger Zinserträge von Anleihen.
Sie zeigt, welchen jährlichen Zinsertrag ein Anleger im Verhältnis zum aktuellen Kaufkurs erzielt.
Für eine vollständige Bewertung sollten jedoch auch die Rendite bis zur Fälligkeit, die Restlaufzeit und die Risiken der Anlage berücksichtigt werden.
Merksatz: Die laufende Verzinsung zeigt die regelmäßigen Zinseinnahmen im Verhältnis zum Kurs – nicht den gesamten Anlageerfolg.
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