Gustatorisch bedeutet „den Geschmackssinn betreffend“. In der Wirtschaft spielt die gustatorische Wahrnehmung vor allem bei Lebensmitteln, Getränken, Gastronomie und Erlebnismarketing eine Rolle. Unternehmen nutzen Verkostungen und Geschmackstests, um Produkte zu entwickeln, Unterschiede zu vermitteln und Kaufentscheidungen zu unterstützen.
Gustatorisches Lernen beschreibt Lernprozesse, bei denen Geschmackserfahrungen eine Rolle spielen. Menschen lernen beispielsweise, Lebensmittel wiederzuerkennen, feine Unterschiede wahrzunehmen oder bestimmte Produkte zu bevorzugen beziehungsweise abzulehnen.
Was ist gustatorische Wahrnehmung?
Zur gustatorischen Wahrnehmung gehören insbesondere die fünf etablierten Grundgeschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami. Umami bezeichnet einen herzhaften, würzigen Geschmack.
Der alltägliche Eindruck, wie etwas „schmeckt“, geht darüber hinaus. Geruch, Temperatur, Konsistenz und Mundgefühl wirken zusammen. Beim Kaffee gehören beispielsweise Bitterkeit, Röstaroma und Temperatur zum gesamten Produkterlebnis. Der Kaffeeduft ist dabei ein olfaktorischer, also den Geruchssinn betreffender Reiz.
| Wahrnehmungsbereich | Bedeutung | Beispiel im Marketing |
|---|---|---|
| Gustatorisch | Den Geschmackssinn betreffend | Eine Kostprobe einer neuen Schokoladensorte |
| Olfaktorisch | Den Geruchssinn betreffend | Der Duft frisch gebackenen Brotes |
| Visuell | Das Sehen betreffend | Verpackungsfarbe und Produktgestaltung |
| Auditiv | Das Hören betreffend | Musik in einem Restaurant |
| Haptisch | Das Tasten und Fühlen betreffend | Die Oberfläche einer Verpackung |
Was bedeutet gustatorisches Lernen?
Geschmacksvorlieben entstehen aus einem Zusammenspiel angeborener Voraussetzungen und gemachter Erfahrungen. Wiederholter Kontakt kann dazu beitragen, dass ein zunächst ungewohntes Lebensmittel vertrauter wird. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Mensch ein Produkt nach einer bestimmten Zahl von Versuchen mögen muss.
Auch Zusammenhänge werden gelernt: Ein Geschmack kann mit einer angenehmen Situation verbunden werden. Umgekehrt können unangenehme Erfahrungen eine Abneigung begünstigen.
Beispiel: Eine Person findet ungesüßten Tee zunächst ungewohnt. Durch wiederholtes Probieren lernt sie Unterschiede zwischen verschiedenen Sorten kennen und entwickelt möglicherweise eine Vorliebe für eine davon.
Gustatorisches Lernen bezeichnet somit das Lernen im Zusammenhang mit Geschmack. Daraus lässt sich kein allgemeiner „gustatorischer Lerntyp“ ableiten, der beliebige Unterrichtsinhalte am besten durch Essen aufnimmt.
Gustatorisches Marketing: Produkte durch Probieren kennenlernen
Beim gustatorischen Marketing wird der Geschmack eines Produkts gezielt in die Kundenansprache einbezogen. Statt eine Eigenschaft nur zu beschreiben, lässt ein Unternehmen sie unmittelbar erleben.
- Lebensmittelhandel: Kostproben von Käse, Brot oder Aufstrichen.
- Getränkehersteller: Verkostungen neuer Sorten oder Rezepturen.
- Gastronomie: Kleine Probierportionen oder Degustationsmenüs.
- Direktvertrieb: Produktvorführungen mit anschließender Verkostung.
- Kundenveranstaltungen: Geschmackserlebnisse als Bestandteil eines Markenauftritts.
Eine Verkostung kann helfen, Unsicherheit vor dem Kauf zu verringern. Sie kann aber ebenso zeigen, dass ein Produkt den persönlichen Geschmack nicht trifft. Eine positive Wirkung auf den Absatz ist deshalb nicht garantiert.
Welche Bedeutung hat Geschmack für die Produktentwicklung?
Unternehmen können sensorische Prüfungen einsetzen, um Rezepturen zu vergleichen, Qualitätsabweichungen zu erkennen oder die Akzeptanz eines neuen Produkts zu untersuchen.
Dabei sind unterschiedliche Fragen zu trennen:
- Unterschiedsprüfung: Können Personen zwei Rezepturen überhaupt unterscheiden?
- Beschreibung: Wie süß, sauer, bitter oder intensiv wird ein Produkt wahrgenommen?
- Beliebtheit: Welche Variante gefällt der jeweiligen Zielgruppe besser?
- Kaufentscheidung: Wird das Produkt zum vorgesehenen Preis tatsächlich gekauft?
Ein besonders süßes Produkt ist nicht automatisch das beliebteste. Ebenso bedeutet eine gute Bewertung bei einer kostenlosen Verkostung noch keine entsprechende Zahlungsbereitschaft.
Praxisbeispiel: Eine neue Limonade testen
Ein Hersteller entwickelt eine weniger süße Limonade. In einem ersten Test erhalten Teilnehmende zwei neutral gekennzeichnete Rezepturen unter vergleichbaren Bedingungen. Sie bewerten Geschmack, Süße und Gesamteindruck.
Anschließend kann ein gesonderter Test mit Verpackung und Preis untersuchen, wie das vollständige Angebot beurteilt wird. So lassen sich die Bewertung des Getränks und die Bewertung seiner Vermarktung besser auseinanderhalten.
Für die Auswertung sind nicht nur Durchschnittswerte interessant. Unterschiedliche Zielgruppen können verschiedene Vorlieben haben. Auch Probiertemperatur, Reihenfolge und Portionsgröße sollten bei Vergleichen möglichst einheitlich sein.
Chancen und Grenzen gustatorischer Maßnahmen
Geschmack lässt sich unmittelbar erleben, aber nur eingeschränkt über einen Bildschirm vermitteln. Verkostungen verursachen zudem Kosten für Produkte, Personal und Organisation. Teilnahme und Probieren sollten freiwillig bleiben; Unverträglichkeiten und individuelle Ernährungsweisen sind zu berücksichtigen.
Wirtschaftlich sinnvoll ist eine Verkostung dann, wenn ihr Ziel klar ist: Soll sie eine Rezeptur verbessern, ein neues Produkt bekannt machen oder den Verkauf unterstützen? Erst daraus ergeben sich passende Kennzahlen und ein aussagekräftiger Vergleich mit den eingesetzten Kosten.
0 Kommentare
Hast du eine Frage oder ein Praxisbeispiel? Teile es mit uns.