Refinanzierung bezeichnet je nach Zusammenhang die Beschaffung von Finanzierungsmitteln oder die Ablösung einer bestehenden Finanzierung durch eine neue. Banken refinanzieren ihre Geschäftstätigkeit beispielsweise über Kundeneinlagen und Schuldverschreibungen. Unternehmen können auslaufende Kredite durch neue Darlehen ersetzen. Bei privaten Immobilienkrediten begegnet der Begriff insbesondere im Zusammenhang mit einer Anschlussfinanzierung.
Eine Refinanzierung dient nicht zwangsläufig dazu, Zinsen zu sparen. Sie kann auch erforderlich sein, um fällige Schulden zurückzuzahlen, Laufzeiten anzupassen oder die Zahlungsfähigkeit zu sichern.
Refinanzierung einfach erklärt
Wer eine Finanzierung nutzt, muss berücksichtigen, wie lange das Geld zur Verfügung steht und wann Rückzahlungen anfallen. Läuft ein Kredit aus, ohne dass der Betrag vollständig aus eigenen Mitteln zurückgezahlt werden kann oder soll, wird eine neue Finanzierung benötigt.
Beispiel: Ein Unternehmen hat einen Kredit über eine Million Euro aufgenommen. Bei Fälligkeit ersetzt es die verbleibende Schuld durch einen neuen Kredit. Die Verpflichtung gegenüber dem bisherigen Kreditgeber wird erfüllt; dafür entsteht eine neue Kreditverbindlichkeit.
Die Schulden sind dadurch nicht automatisch geringer geworden. Geändert haben sich zunächst die Finanzierung und gegebenenfalls der Kreditgeber, die Laufzeit oder die Konditionen.
Welche Formen der Refinanzierung gibt es?
| Bereich | Typische Form | Zweck |
|---|---|---|
| Banken | Kundeneinlagen, Schuldverschreibungen, Interbankenkredite und Zentralbankgeschäfte | Finanzierung der Geschäftstätigkeit und Sicherung der erforderlichen Liquidität |
| Unternehmen | Neue Bankdarlehen, Schuldscheindarlehen oder Anleihen | Ablösung bestehender Verbindlichkeiten und Anpassung der Finanzierungsstruktur |
| Private Haushalte | Anschlussfinanzierung oder Umschuldung | Fortführung beziehungsweise Neuordnung bestehender Kredite |
| Staaten | Ausgabe neuer Schuldtitel | Finanzierung fälliger Rückzahlungen und gegebenenfalls weiteren Finanzierungsbedarfs |
Wie refinanzieren sich Banken?
Im Bankgeschäft umfasst Refinanzierung die Beschaffung beziehungsweise Sicherung von Finanzierungsmitteln. Dafür kommen verschiedene Quellen infrage:
- Kundeneinlagen: Guthaben auf Giro-, Tagesgeld-, Festgeld- und Sparkonten.
- Schuldverschreibungen: Anleger stellen der Bank durch den Erwerb der ausgegebenen Wertpapiere Geld zur Verfügung.
- Interbankenmarkt: Banken nehmen Mittel bei anderen Kreditinstituten auf.
- Zentralbank: Zugelassene Geschäftspartner können im Rahmen der vorgesehenen Geschäfte Zentralbankgeld gegen geeignete Sicherheiten erhalten.
Dabei ist die Vorstellung zu einfach, eine Bank müsse für jeden neuen Kundenkredit zuvor genau denselben Betrag an Spareinlagen einsammeln. Bei der Kreditvergabe kann eine Geschäftsbank Buchgeld schaffen. Sie muss dennoch ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen und die geltenden Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen beachten.
Der Finanzierungsmix hängt vom Geschäftsmodell ab. Eine Bank mit umfangreichem Einlagengeschäft finanziert sich anders als ein Institut, das stärker auf den Kapitalmarkt zurückgreift.
Was sind Refinanzierungskosten?
Refinanzierungskosten sind die Kosten, die bei der Beschaffung der Finanzierungsmittel entstehen. Dazu gehören insbesondere Zinsen, beispielsweise auf Einlagen, Anleihen oder aufgenommene Kredite. Je nach Finanzierungsform können weitere Aufwendungen hinzukommen.
Für Banken beeinflussen diese Kosten die Kalkulation ihrer Kundenkredite. Der angebotene Kreditzins hängt jedoch zusätzlich unter anderem von Ausfallrisiken, Laufzeit, Sicherheiten, Verwaltungsaufwand und Wettbewerb ab.
Der Leitzins ist deshalb nicht mit dem Zinssatz eines Immobilien- oder Unternehmenskredits gleichzusetzen. Auch eine Leitzinsänderung führt nicht automatisch zu einer gleich großen und sofortigen Änderung sämtlicher Kreditzinsen.
Refinanzierung bei Immobilien: Anschlussfinanzierung und Umschuldung
Bei einem Immobilienkredit kann die vereinbarte Zinsbindung enden, obwohl noch eine Restschuld besteht. Für den weiteren Finanzierungsabschnitt müssen dann passende Konditionen vereinbart werden.
- Anschlussfinanzierung: Oberbegriff für die weitere Finanzierung der verbleibenden Schuld nach dem bisherigen Finanzierungsabschnitt.
- Prolongation: Fortführung bei der bisherigen Bank zu neu vereinbarten Konditionen.
- Umschuldung: Ablösung eines bestehenden Kredits durch eine neue Finanzierung, beispielsweise bei einem anderen Kreditinstitut.
- Forward-Darlehen: Eine Finanzierung, deren Konditionen bereits für einen späteren Beginn vereinbart werden.
Bei einem Vergleich zählen neben dem Zinssatz auch Tilgung, Zinsbindung, Sondertilgungsrechte und mögliche Wechselkosten. Eine vorzeitige Ablösung kann abhängig vom Vertrag und den rechtlichen Voraussetzungen zusätzliche Kosten auslösen.
Rechenbeispiel: Wann kann sich eine Refinanzierung lohnen?
Für ein vereinfachtes Beispiel wird angenommen, dass eine Schuld von 100.000 Euro während des betrachteten Jahres unverändert bleibt:
| Position | Bisherige Finanzierung | Neue Finanzierung |
|---|---|---|
| Schuldbetrag | 100.000 Euro | 100.000 Euro |
| Jährlicher Zinssatz | 5 Prozent | 4 Prozent |
| Zinsen für ein Jahr | 5.000 Euro | 4.000 Euro |
| Rechnerischer jährlicher Zinsvorteil | – | 1.000 Euro |
Entstehen einmalige Wechselkosten von 2.000 Euro, wären diese unter den vereinfachten Annahmen nach zwei Jahren durch den Zinsvorteil ausgeglichen.
Bei einem tatsächlich getilgten Darlehen verändert sich die Restschuld. Für eine belastbare Entscheidung müssen deshalb die vollständigen Zahlungspläne und sämtliche relevanten Kosten verglichen werden. Eine niedrigere Monatsrate allein beweist keine Ersparnis: Sie kann auch aus einer längeren Rückzahlungsdauer entstehen.
Welche Risiken bestehen?
- Höhere Zinsen: Eine neue Finanzierung kann teurer sein als die bisherige.
- Fehlender Zugang zu Finanzierung: Eine Anschlusslösung ist nicht unter allen Umständen verfügbar.
- Veränderte Bonität: Schlechtere wirtschaftliche Verhältnisse können Konditionen verschlechtern oder eine Kreditaufnahme erschweren.
- Zusätzliche Kosten: Gebühren, Sicherheitenbestellung und mögliche Entschädigungen können einen Zinsvorteil verringern.
- Unpassende Laufzeiten: Kurzfristige Finanzierungen für langfristig gebundenes Kapital können wiederkehrenden Anschlussbedarf erzeugen.
Besonders wichtig ist das Verhältnis von Kosten und Planungssicherheit. Eine kurze Laufzeit kann zunächst günstig erscheinen, führt aber früher zu einer neuen Finanzierungsentscheidung unter dann möglicherweise ungünstigeren Bedingungen.
Refinanzierung bedeutet nicht automatisch Entschuldung
Eine neue Finanzierung löst vor allem die Frage, wie eine bestehende oder fortlaufende Mittelverwendung finanziert wird. Ob dadurch Kosten sinken, Risiken reduziert werden oder lediglich eine Fälligkeit verschoben wird, hängt von den konkreten Konditionen ab.
Eine tragfähige Refinanzierung berücksichtigt deshalb nicht nur den neuen Zinssatz, sondern auch Rückzahlungsfähigkeit, Laufzeiten, Sicherheiten und den verbleibenden finanziellen Spielraum.
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