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Gruppenfertigung

15. September 20268 Minuten Lesezeit0 KommentareG

Die Gruppenfertigung ist eine Organisationsform der Produktion, bei der mehrere unterschiedliche Maschinen und Arbeitsplätze zu einer Fertigungsgruppe zusammengefasst werden. Innerhalb dieser Gruppe werden bestimmte Teile, Baugruppen oder Produktfamilien möglichst vollständig bearbeitet.

Die Gruppenfertigung verbindet damit Merkmale der Werkstattfertigung und der Fließfertigung. Ziel ist es, die Vorteile einer übersichtlichen, produktorientierten Fertigung zu nutzen, ohne die Produktion vollständig an eine starre Fließfertigung zu binden.

Definition: Was ist Gruppenfertigung?

Bei der Gruppenfertigung werden die für die Herstellung bestimmter Produkte oder Teile erforderlichen Betriebsmittel räumlich und organisatorisch zu einer Fertigungsinsel beziehungsweise Fertigungsgruppe zusammengefasst.

Eine solche Gruppe kann beispielsweise aus mehreren Maschinen zur Bearbeitung, Montage und Qualitätskontrolle bestehen.

Die Mitarbeiter innerhalb der Gruppe übernehmen häufig mehrere Aufgaben und tragen gemeinsam Verantwortung für den Produktionsprozess.

Kurz gesagt: Bei der Gruppenfertigung werden zusammengehörige Produktionsaufgaben innerhalb einer weitgehend selbstständigen Fertigungsgruppe erledigt.

Beispiel für Gruppenfertigung

Ein Unternehmen stellt verschiedene Metallbauteile her. Für eine bestimmte Produktgruppe werden folgende Arbeitsgänge benötigt:

  • Sägen
  • Bohren
  • Fräsen
  • Schleifen
  • Montieren
  • Prüfen

Statt sämtliche Sägemaschinen in einer Abteilung, alle Fräsmaschinen in einer anderen Abteilung und die Montage wiederum an einem anderen Ort unterzubringen, werden die benötigten Maschinen zu einer Fertigungsgruppe zusammengefasst.

Die Werkstücke müssen dadurch nicht ständig zwischen weit voneinander entfernten Abteilungen transportiert werden.

Merkmale der Gruppenfertigung

Typische Merkmale sind:

  • Zusammenfassung unterschiedlicher Betriebsmittel
  • Ausrichtung auf bestimmte Produkte oder Teilefamilien
  • vergleichsweise kurze Transportwege
  • Bearbeitung mehrerer Arbeitsschritte innerhalb einer Gruppe
  • Teamarbeit
  • flexibler Einsatz der Mitarbeiter
  • höhere Eigenverantwortung der Arbeitsgruppe möglich

Je nach Unternehmen kann die Gruppe unterschiedlich selbstständig organisiert sein.

Was ist eine Fertigungsinsel?

Eng mit der Gruppenfertigung verbunden ist der Begriff Fertigungsinsel.

Bei einer Fertigungsinsel werden unterschiedliche Maschinen und Arbeitsplätze räumlich so angeordnet, dass eine bestimmte Gruppe von Werkstücken möglichst vollständig innerhalb dieses Bereichs hergestellt beziehungsweise bearbeitet werden kann.

Statt das Werkstück von Abteilung zu Abteilung zu transportieren, verbleibt es über einen großen Teil des Produktionsprozesses innerhalb der Fertigungsinsel.

Die Begriffe Gruppenfertigung und Inselfertigung werden deshalb häufig in einem ähnlichen Zusammenhang verwendet.

Ziele der Gruppenfertigung

Mit der Einführung einer Gruppenfertigung können Unternehmen unterschiedliche Ziele verfolgen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Verkürzung der Transportwege
  • Verringerung der Durchlaufzeiten
  • Reduzierung von Zwischenlagern
  • Verbesserung des Materialflusses
  • flexiblere Produktion
  • Verbesserung der Zusammenarbeit
  • höhere Eigenverantwortung der Mitarbeiter
  • schnellere Erkennung von Qualitätsproblemen

Die Produktion soll dadurch übersichtlicher und effizienter werden.

Vorteile der Gruppenfertigung

Die Gruppenfertigung kann gegenüber anderen Fertigungsformen verschiedene Vorteile bieten.

Kürzere Transportwege

Benötigte Maschinen befinden sich innerhalb einer Fertigungsgruppe räumlich näher beieinander. Werkstücke müssen daher häufig über kürzere Strecken transportiert werden.

Kürzere Durchlaufzeiten

Weniger Transporte und eine aufeinander abgestimmte Bearbeitung können die Zeit vom Beginn bis zur Fertigstellung eines Produktes verkürzen.

Geringere Zwischenbestände

Wenn aufeinanderfolgende Arbeitsschritte innerhalb einer Fertigungsgruppe stattfinden, können Zwischenlager reduziert werden.

Höhere Flexibilität

Im Vergleich zu einer streng getakteten Fließfertigung kann eine Fertigungsgruppe flexibler auf unterschiedliche Varianten oder Produktionsmengen reagieren.

Mehr Verantwortung für Mitarbeiter

Mitarbeiter können innerhalb der Gruppe mehrere Tätigkeiten übernehmen und stärker in Planung, Qualitätskontrolle und Problemlösung eingebunden werden.

Bessere Kommunikation

Da die beteiligten Mitarbeiter unmittelbar zusammenarbeiten, können Produktionsprobleme häufig schneller erkannt und besprochen werden.

Nachteile der Gruppenfertigung

Den Vorteilen stehen mögliche Nachteile gegenüber.

  • höhere Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter
  • größerer organisatorischer Aufwand bei der Einführung
  • möglicherweise höhere Investitionskosten
  • Maschinen können teilweise schlechter ausgelastet sein
  • bestimmte Maschinen werden unter Umständen mehrfach benötigt
  • Abstimmung innerhalb der Gruppe ist erforderlich

Ob Gruppenfertigung wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt daher stark von Produkten, Stückzahlen und Produktionsabläufen ab.

Gruppenfertigung und Werkstattfertigung im Vergleich

Bei der Werkstattfertigung werden gleichartige Maschinen normalerweise räumlich zusammengefasst.

Beispielsweise gibt es eine Dreherei, eine Fräserei und eine Bohrerei. Ein Werkstück wandert entsprechend seinem Arbeitsplan von Werkstatt zu Werkstatt.

Bei der Gruppenfertigung wird dieses Prinzip teilweise aufgelöst.

Gruppenfertigung Werkstattfertigung
Organisation nach Produkt- oder Teilegruppen Organisation nach Tätigkeiten beziehungsweise Maschinenarten
Unterschiedliche Maschinen innerhalb einer Gruppe Gleichartige Maschinen werden zusammengefasst
Meist kürzere Transportwege Teilweise lange Transportwege
Übersichtlicher Materialfluss möglich Komplexere Materialwege möglich
Stärkere Teamorientierung möglich Stärkere funktionale Spezialisierung

Gruppenfertigung und Fließfertigung

Auch gegenüber der Fließfertigung bestehen deutliche Unterschiede.

Bei der Fließfertigung sind die Arbeitsplätze entsprechend der Bearbeitungsreihenfolge angeordnet. Das Produkt bewegt sich nach einem festgelegten Ablauf von Station zu Station.

Die Gruppenfertigung ist normalerweise weniger starr.

Gruppenfertigung Fließfertigung
Flexible Fertigungsgruppen Feste Reihenfolge der Arbeitsplätze
Gut für Teile- und Produktfamilien geeignet Besonders für standardisierte Produktion geeignet
Mehrere Tätigkeiten innerhalb einer Gruppe Stärkere Aufteilung einzelner Arbeitsschritte möglich
Relativ hohe Flexibilität Bei klassischen Fließsystemen geringere Flexibilität

Gruppenfertigung als Kombination verschiedener Fertigungsprinzipien

Eine Besonderheit der Gruppenfertigung besteht darin, dass sie Elemente verschiedener Organisationsformen miteinander verbindet.

Von der Werkstattfertigung übernimmt sie beispielsweise eine gewisse Flexibilität. Gleichzeitig ähnelt die Anordnung der Maschinen innerhalb einer Fertigungsinsel teilweise der produktorientierten Struktur einer Fließfertigung.

Deshalb wird die Gruppenfertigung häufig als Zwischenform beziehungsweise Kombination von Werkstatt- und Fließfertigung betrachtet.

Welche Rolle spielt Gruppenarbeit?

Der Begriff Gruppenfertigung bezieht sich nicht ausschließlich auf die räumliche Anordnung der Maschinen. Auch die Organisation der Arbeit kann eine wichtige Rolle spielen.

Eine Arbeitsgruppe kann beispielsweise gemeinsam verantwortlich sein für:

  • Produktionsmenge
  • Qualität
  • Maschinenbedienung
  • kleinere Wartungsaufgaben
  • Materialbereitstellung
  • Arbeitsverteilung innerhalb der Gruppe

Wie viel Verantwortung tatsächlich übertragen wird, hängt von der Organisation des jeweiligen Unternehmens ab.

Wo wird Gruppenfertigung eingesetzt?

Gruppenfertigung eignet sich besonders, wenn sich Produkte oder Bauteile zu Produktfamilien beziehungsweise Teilefamilien zusammenfassen lassen.

Anwendungsbereiche können beispielsweise sein:

  • Maschinenbau
  • Automobilindustrie und Zulieferbetriebe
  • Metallverarbeitung
  • Elektrotechnik
  • Montagebetriebe

Besonders interessant kann das Verfahren bei mittleren Stückzahlen und einer gewissen Variantenvielfalt sein.

Einfaches Beispiel aus dem Alltag

Man kann sich die Gruppenfertigung wie eine kleine Fabrik innerhalb einer größeren Fabrik vorstellen.

Eine Gruppe erhält ein Werkstück und verfügt möglichst über die Maschinen, Werkzeuge und Mitarbeiter, die für einen großen Teil der Bearbeitung benötigt werden.

Das Werkstück muss dadurch nicht ständig quer durch den gesamten Betrieb transportiert werden.

Häufige Fragen zur Gruppenfertigung

Was versteht man unter Gruppenfertigung?

Unter Gruppenfertigung versteht man eine Produktionsorganisation, bei der unterschiedliche Maschinen und Arbeitsplätze zu Gruppen zusammengefasst werden, um bestimmte Teile oder Produktfamilien möglichst vollständig innerhalb dieser Gruppe zu bearbeiten.

Was ist das Ziel der Gruppenfertigung?

Zu den wichtigsten Zielen gehören kürzere Transport- und Durchlaufzeiten, geringere Zwischenbestände, ein übersichtlicher Materialfluss und eine flexiblere Produktion.

Was ist der Unterschied zwischen Gruppenfertigung und Werkstattfertigung?

Bei der Werkstattfertigung werden normalerweise gleichartige Maschinen zusammengefasst. Bei der Gruppenfertigung befinden sich unterschiedliche, für eine bestimmte Teilefamilie benötigte Maschinen innerhalb einer Fertigungsgruppe.

Was ist der Unterschied zwischen Gruppenfertigung und Fließfertigung?

Die klassische Fließfertigung folgt einer fest vorgegebenen Reihenfolge von Arbeitsstationen und ist stark auf den Produktionsablauf eines Produktes ausgerichtet. Die Gruppenfertigung bietet innerhalb einer Fertigungsgruppe meist mehr Flexibilität.

Was ist eine Fertigungsinsel?

Eine Fertigungsinsel ist ein räumlich zusammengefasster Produktionsbereich mit unterschiedlichen Maschinen und Arbeitsplätzen, in dem bestimmte Werkstücke möglichst umfassend bearbeitet werden können.

Welche Vorteile bietet Gruppenfertigung für Mitarbeiter?

Je nach Organisation können abwechslungsreichere Tätigkeiten, mehr Teamarbeit und eine größere Eigenverantwortung entstehen. Gleichzeitig steigen häufig die Anforderungen an Qualifikation und Zusammenarbeit.

Fazit

Die Gruppenfertigung ist eine Organisationsform der Produktion, bei der unterschiedliche Maschinen und Arbeitsplätze zu einer Fertigungsgruppe beziehungsweise Fertigungsinsel zusammengefasst werden. Diese Gruppe bearbeitet bestimmte Produkte, Bauteile oder Teilefamilien möglichst weitgehend selbstständig.

Dadurch können Transportwege und Durchlaufzeiten verkürzt, Zwischenbestände reduziert und Produktionsabläufe übersichtlicher gestaltet werden. Gleichzeitig ermöglicht die Gruppenfertigung häufig mehr Flexibilität als eine klassische Fließfertigung.

Dem stehen höhere Anforderungen an Organisation, Mitarbeiterqualifikation und teilweise auch Maschinenausstattung gegenüber.

Damit stellt die Gruppenfertigung insbesondere für Unternehmen eine interessante Fertigungsform dar, die die **Flexibilität der Werkstattfertigung mit Vorteilen einer produktorientierten Fertigung** verbinden möchten.

Diesen Artikel zitieren

„Gruppenfertigung“. Wirtschaftslexikon.de, 15.09.2026. https://wirtschaftslexikon.de/gruppenfertigung/

BibTeX für LaTeX, RIS für Literaturverwaltungsprogramme. Die Angaben verweisen auf die aktuelle Artikelseite, nicht auf eine archivierte Fassung.

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