Märkte bringen Anbieter und Nachfrager zusammen. Auf einem Markt werden Güter, Dienstleistungen, Arbeitsleistungen, Kapital oder Rechte angeboten und nachgefragt. Durch das Zusammenspiel der Marktteilnehmer entstehen Preise und gehandelte Mengen.
Ein Markt muss kein bestimmter Ort sein. Neben Wochenmärkten und Börsen gelten auch Onlineshops, digitale Handelsplattformen und der gesamte Markt für ein bestimmtes Produkt als Märkte.
Was ist ein Markt?
In der Volkswirtschaftslehre bezeichnet ein Markt das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Anbieter möchten ein wirtschaftliches Gut verkaufen, während Nachfrager dieses Gut erwerben möchten.
Damit ein Markt entstehen kann, werden grundsätzlich folgende Bestandteile benötigt:
- mindestens ein Anbieter,
- mindestens ein Nachfrager,
- ein handelbares Gut oder eine Leistung,
- eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und
- Regeln für den Austausch.
Treffen sich Käufer und Verkäufer, können sie sich über den Preis, die Menge und weitere Vertragsbedingungen einigen. Der Markt koordiniert dadurch einen großen Teil der wirtschaftlichen Entscheidungen.
Beispiele für Märkte
Märkte begegnen uns in vielen unterschiedlichen Formen:
- Auf einem Wochenmarkt werden Lebensmittel angeboten.
- Im Einzelhandel kaufen Verbraucher Konsumgüter.
- Auf dem Arbeitsmarkt bieten Menschen ihre Arbeitskraft an.
- Auf dem Kapitalmarkt werden längerfristige Finanzmittel bereitgestellt und nachgefragt.
- Auf dem Immobilienmarkt werden Grundstücke, Häuser und Wohnungen gehandelt oder vermietet.
- Auf digitalen Marktplätzen handeln Käufer und Verkäufer über das Internet.
Konkrete und abstrakte Märkte
Märkte können konkret oder abstrakt verstanden werden.
Konkreter Markt
Ein konkreter Markt ist räumlich und häufig auch zeitlich festgelegt. Anbieter und Nachfrager treffen unmittelbar oder über eine organisierte Einrichtung aufeinander.
Beispiele sind:
- Wochenmärkte,
- Flohmärkte,
- Messen,
- Warenbörsen und
- Versteigerungen.
Abstrakter Markt
Ein abstrakter Markt umfasst sämtliche Anbieter und Nachfrager eines bestimmten Gutes oder einer bestimmten Gütergruppe. Dabei müssen sich die Beteiligten nicht an einem gemeinsamen Ort befinden.
Beispiele sind der deutsche Automarkt, der europäische Energiemarkt oder der weltweite Markt für Rohöl.
Welche Aufgaben haben Märkte?
Märkte übernehmen in einer Marktwirtschaft mehrere wichtige Funktionen.
Koordinationsfunktion
Der Markt stimmt die Pläne von Anbietern und Nachfragern aufeinander ab. Unternehmen entscheiden, welche Güter sie herstellen. Verbraucher entscheiden, welche Angebote sie kaufen.
Preisbildungsfunktion
Durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage entstehen Marktpreise. Der Preis signalisiert, wie knapp ein Gut ist und wie stark es nachgefragt wird.
Informationsfunktion
Preise und Verkaufszahlen liefern Informationen über die Marktlage. Steigende Preise können beispielsweise auf eine zunehmende Nachfrage oder ein knappes Angebot hinweisen.
Verteilungsfunktion
Der Preis beeinflusst, welche Nachfrager ein knappes Gut erwerben können und welche Anbieter ihre Produkte verkaufen. Märkte tragen damit zur Verteilung knapper Güter bei.
Lenkungsfunktion
Hohe Preise und Gewinne können Unternehmen dazu bewegen, ihre Produktion auszuweiten. Niedrige Preise oder Verluste können dagegen einen Rückgang des Angebots auslösen. Produktionsfaktoren werden dadurch tendenziell in Bereiche gelenkt, in denen eine hohe Nachfrage besteht.
Auslesefunktion
Unternehmen, die dauerhaft nicht wettbewerbsfähig arbeiten, können Marktanteile verlieren oder aus dem Markt ausscheiden. Erfolgreiche Anbieter können dagegen wachsen. Diese Wirkung wird als Auslese- oder Selektionsfunktion bezeichnet.
Angebot und Nachfrage
Das Angebot beschreibt die Menge eines Gutes, die Verkäufer zu unterschiedlichen Preisen anbieten möchten. Die Nachfrage bezeichnet die Menge, welche Käufer zu unterschiedlichen Preisen erwerben möchten und bezahlen können.
Unter sonst gleichen Bedingungen gilt häufig:
- Mit steigendem Preis nimmt die angebotene Menge zu.
- Mit steigendem Preis nimmt die nachgefragte Menge ab.
Das tatsächliche Verhalten hängt jedoch auch von Einkommen, Produktionskosten, Erwartungen, Vorlieben und der Zahl der Marktteilnehmer ab.
Marktgleichgewicht
Ein Marktgleichgewicht liegt vor, wenn die angebotene Menge der nachgefragten Menge entspricht. Der dazugehörige Preis wird als Gleichgewichtspreis bezeichnet. Die gehandelte Menge ist die Gleichgewichtsmenge.
Vereinfacht lautet die Gleichgewichtsbedingung:
Angebotsmenge = Nachfragemenge
Das Marktgleichgewicht ist ein theoretischer Zustand. Da sich Angebot und Nachfrage laufend verändern, können sich auch Preise und gehandelte Mengen jederzeit verschieben.
Angebotsüberhang und Nachfrageüberhang
Angebotsüberhang
Bei einem Angebotsüberhang wird mehr angeboten als nachgefragt. Ein Teil der Güter bleibt unverkauft. Anbieter können darauf mit Preissenkungen oder einer geringeren Produktion reagieren.
Nachfrageüberhang
Bei einem Nachfrageüberhang möchten Käufer mehr erwerben, als angeboten wird. Mögliche Folgen sind steigende Preise, Lieferengpässe und längere Wartezeiten.
Arten von Märkten
Märkte können nach dem gehandelten Wirtschaftsobjekt unterschieden werden.
| Marktart | Was wird gehandelt? | Beispiele |
|---|---|---|
| Gütermarkt | Waren und Dienstleistungen | Lebensmittel, Fahrzeuge, Reparaturen |
| Arbeitsmarkt | Arbeitsleistungen | Stellenangebote und Bewerbungen |
| Kapitalmarkt | mittel- und langfristiges Kapital | Aktien und Anleihen |
| Geldmarkt | kurzfristige Geldmittel | kurzfristige Kredite zwischen Banken |
| Devisenmarkt | ausländische Währungen | Euro, US-Dollar und andere Währungen |
| Immobilienmarkt | Grundstücke und Gebäude | Wohnungen, Häuser und Gewerbeimmobilien |
Konsumgüter- und Investitionsgütermärkte
Auf einem Konsumgütermarkt werden Güter angeboten, die vor allem der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung privater Haushalte dienen. Dazu zählen Lebensmittel, Kleidung und Unterhaltungselektronik.
Auf einem Investitionsgütermarkt werden Güter gehandelt, die Unternehmen für ihre wirtschaftliche Tätigkeit benötigen. Beispiele sind Maschinen, Produktionsanlagen und gewerblich eingesetzte Fahrzeuge.
Marktformen
Die Marktform hängt davon ab, wie viele Anbieter und Nachfrager aufeinandertreffen. Zu den wichtigsten Grundformen gehören Polypol, Oligopol und Monopol.
Polypol
Beim Polypol stehen sich viele Anbieter und viele Nachfrager gegenüber. Der einzelne Marktteilnehmer besitzt nur einen begrenzten Einfluss auf den Marktpreis.
Oligopol
Bei einem Oligopol treffen wenige Anbieter auf viele Nachfrager. Die Anbieter beobachten sich gegenseitig, weil die Entscheidung eines Unternehmens die übrigen Unternehmen deutlich beeinflussen kann.
Monopol
Bei einem Monopol steht ein einziger Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Da unmittelbare Konkurrenten fehlen, kann der Anbieter eine starke Marktposition besitzen.
Nachfragemonopol und Nachfrageoligopol
Auch auf der Nachfrageseite kann die Zahl der Marktteilnehmer begrenzt sein. Bei einem Nachfragemonopol trifft ein einzelner Nachfrager auf viele Anbieter. Bei einem Nachfrageoligopol stehen wenige große Nachfrager vielen Anbietern gegenüber.
| Marktform | Anbieter | Nachfrager |
|---|---|---|
| Polypol | viele | viele |
| Angebotsoligopol | wenige | viele |
| Angebotsmonopol | einer | viele |
| Nachfrageoligopol | viele | wenige |
| Nachfragemonopol | viele | einer |
Vollkommener und unvollkommener Markt
Der vollkommene Markt ist ein theoretisches Modell. Dafür werden unter anderem folgende Bedingungen angenommen:
- gleichartige Güter,
- vollständige Markttransparenz,
- keine persönlichen, räumlichen oder zeitlichen Vorlieben,
- freie Reaktion der Marktteilnehmer und
- keine wesentlichen Marktzutrittsbarrieren.
Unter diesen Modellannahmen würde sich für ein gleichartiges Gut ein einheitlicher Preis bilden.
In der Realität sind Märkte meist unvollkommen. Produkte unterscheiden sich durch Qualität, Marke, Ausstattung oder Service. Außerdem verfügen die Marktteilnehmer nicht immer über dieselben Informationen.
Offene und geschlossene Märkte
Auf einem offenen Markt ist der Zutritt grundsätzlich für neue Anbieter und Nachfrager möglich. Dennoch können Kosten, Vorschriften oder technologische Anforderungen den Einstieg erschweren.
Auf einem geschlossenen oder beschränkten Markt dürfen nur bestimmte Teilnehmer handeln. Gründe können gesetzliche Zulassungen, Mitgliedschaften, Patente oder hohe Markteintrittsbarrieren sein.
Lokale, nationale und internationale Märkte
Nach ihrer räumlichen Ausdehnung können Märkte folgendermaßen eingeteilt werden:
- Lokaler Markt: beschränkt sich auf einen Ort oder eine kleine Region.
- Regionaler Markt: umfasst ein größeres zusammenhängendes Gebiet.
- Nationaler Markt: erstreckt sich über ein Land.
- Internationaler Markt: umfasst mehrere Länder.
- Weltmarkt: Anbieter und Nachfrager handeln weltweit.
Die Digitalisierung und der internationale Handel haben dazu geführt, dass viele zuvor regionale Märkte heute eine deutlich größere Reichweite besitzen.
Organisierte und nicht organisierte Märkte
Organisierte Märkte verfügen über feste Regeln, Handelszeiten und Abläufe. Börsen sind ein typisches Beispiel. Dort werden standardisierte Produkte oder Wertpapiere nach festgelegten Verfahren gehandelt.
Auf nicht organisierten Märkten handeln die Beteiligten ohne eine zentrale Markteinrichtung. Dazu können individuelle Verhandlungen zwischen Unternehmen oder Privatpersonen gehören.
Digitale Märkte und Plattformen
Digitale Plattformen verbinden Anbieter und Nachfrager über das Internet. Sie erleichtern Preisvergleiche, erweitern die erreichbare Kundengruppe und senken teilweise die Kosten der Suche nach geeigneten Handelspartnern.
Einige Plattformen profitieren von Netzwerkeffekten: Je mehr Nutzer teilnehmen, desto attraktiver kann die Plattform für weitere Nutzer werden. Dadurch können einzelne Betreiber eine starke Marktposition erreichen.
Was bedeutet Wettbewerb?
Wettbewerb entsteht, wenn mehrere Anbieter um Kunden oder mehrere Nachfrager um knappe Angebote konkurrieren. Unternehmen können sich dabei über den Preis, die Qualität, den Service oder besondere Produkteigenschaften unterscheiden.
Ein funktionierender Wettbewerb kann:
- Preise begrenzen,
- Qualitätsverbesserungen fördern,
- Innovationen anregen,
- die Auswahl vergrößern und
- einen effizienten Einsatz knapper Mittel unterstützen.
Was ist Marktversagen?
Von Marktversagen wird gesprochen, wenn der Markt unter bestimmten Bedingungen keine gesamtwirtschaftlich effiziente Verteilung hervorbringt.
Mögliche Ursachen sind:
- Marktmacht einzelner Anbieter oder Nachfrager,
- externe Effekte wie Umweltbelastungen,
- öffentliche Güter,
- Informationsunterschiede und
- fehlende oder unvollständig geregelte Eigentumsrechte.
Der Staat kann versuchen, Marktversagen durch Gesetze, Steuern, Subventionen, Kontrollen oder die eigene Bereitstellung bestimmter Leistungen zu begrenzen. Staatliche Eingriffe können allerdings ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen verursachen.
Staatliche Eingriffe in Märkte
Der Staat gestaltet die rechtlichen Rahmenbedingungen und kann Märkte gezielt beeinflussen. Zu den möglichen Maßnahmen gehören:
- Steuern und Abgaben,
- Subventionen,
- Umwelt- und Sicherheitsvorschriften,
- Wettbewerbs- und Kartellrecht,
- Verbraucherschutz,
- Zölle sowie
- Höchst- und Mindestpreise.
Ob ein Eingriff sinnvoll ist, hängt von seinem Ziel, der konkreten Marktsituation und den möglichen Nebenwirkungen ab.
Zusammenfassung
Märkte bringen Anbieter und Nachfrager zusammen. Sie ermöglichen den Austausch von Gütern, Dienstleistungen, Arbeitsleistungen, Kapital und Rechten. Über Angebot und Nachfrage entstehen Preise und gehandelte Mengen.
Märkte lassen sich unter anderem nach dem Handelsgegenstand, der räumlichen Ausdehnung, ihrer Organisation und der Zahl der Marktteilnehmer unterscheiden. Zu den wichtigsten Marktformen gehören Polypol, Oligopol und Monopol.
Häufige Fragen zu Märkten
Was ist ein Markt einfach erklärt?
Ein Markt entsteht, wenn Anbieter und Nachfrager eines Gutes oder einer Leistung zusammentreffen und einen Austausch vereinbaren können.
Muss ein Markt ein bestimmter Ort sein?
Nein. Ein Markt kann ein konkreter Ort wie ein Wochenmarkt oder ein abstrakter Bereich wie der Arbeitsmarkt, der Automarkt oder der Weltmarkt für Erdöl sein.
Welche Aufgaben erfüllt ein Markt?
Ein Markt koordiniert Angebot und Nachfrage, ermöglicht die Preisbildung, übermittelt Informationen und beeinflusst die Verteilung knapper Güter.
Welche drei wichtigen Marktformen gibt es?
Die wichtigsten Grundformen sind Polypol, Oligopol und Monopol. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Anzahl der Anbieter und Nachfrager.
Wann befindet sich ein Markt im Gleichgewicht?
Ein Marktgleichgewicht liegt vor, wenn die angebotene Menge der nachgefragten Menge entspricht.
Was ist ein vollkommener Markt?
Der vollkommene Markt ist ein theoretisches Modell mit gleichartigen Gütern, vollständiger Markttransparenz und ohne persönliche, räumliche oder zeitliche Vorlieben der Marktteilnehmer.
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